»Wer nicht mitwächst, bleibt auf der Strecke«

Text: Thomas Masuch; Fotos: Concept Laser / Thomas Masuch

Der Vorsitzende Geschäftsführer Frank Herzog sieht für Concept Laser durch den GE-Einstieg große Möglichkeiten.

 

Seit Oktober 2016 ist Frank Herzog mit seinem Unternehmen Concept Laser ein Teil des GE-Konzerns, doch an seiner unternehmerischen Einstellung hat sich offenbar nichts geändert. Im Interview mit dem formnext magazin spricht er begeistert über die Entwicklung am Standort Lichtenfels, wie er mithilfe guter regionaler Kontakte ein ganzes Gewerbegebiet für die Firmenerweiterung genutzt hat. »Ich habe immer noch die alte Naivität«, die es braucht, um neue Ideen und Projekte anzugehen. Gleichzeitig sei er »aber realistisch genug«, um diese auch vernünftig umzusetzen. Das Ganze verbindet der 46-Jährige mit der »fränkischen Bodenständigkeit «.

Dabei ist längst nicht mehr alles wie früher bei Concept Laser. Und die gutgelaunte Unbeschwertheit von CEO Frank Herzog kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass im deutschen Hauptquartier in Lichtenfels Großes passiert. Allein im Jahr 2017 ist dort die Mitarbeiterzahl von 200 auf auf knapp 400 gewachsen. Dabei erwies sich die 2007 von Concept Laser gegründete Akademie als vorausschauendes Invest. Herzog, der nach seiner Ausbildung zum Industriemechaniker Maschinenbau studierte, kann sich auch ein weiteres Wachstum auf bis zu 600 Mitarbeiter vorstellen.

 

 

Vor zehn Jahren waren wir bei 1 cm³ pro Stunde, heute sind wir bei 40 bis 50 cm³.

PRODUKTIVITÄT WIRD NOCH WEITER STEIGEN

 

Die auf der formnext 2017 erstmals vorgestellte Beta-Version des A.T.L.A.S.-Projekts (Additive Technology Large Area System) mit einem Bauraum von 1,1 x 1,1 x 0,3 m, ist ein erstes starkes technologisches Zeichen dafür, welchen Schub die GE-Investitionen verleihen können. Das zeigt sich auch im Portalaufbau, dem optimierten Gasfluss und der Verbindung zwischen Scanner und Laser.

Entwicklungen wie die A.T.L.A.S. verschaffen der Additiven Fertigung neue Anwendungsfelder, da die Produktivität gestiegen ist. »Vor zehn Jahren waren wir bei 1 cm³ pro Stunde, heute sind wir bei 40 bis 50«, erklärt Herzog. Dabei sei das Potenzial der Technologie noch längst nicht ausgereizt. »Wir haben noch Werkzeuge in der Box, die uns erlauben, in den nächsten drei bis fünf Jahren noch deutlich schneller zu werden.«

 

 

Frank Herzog hatte Concept Laser im Jahr 2000 zusammen mit seiner Frau Kerstin gegründet und hält heute noch 25 Prozent der Anteile am Unternehmen. Dass er nun nicht mehr allein die unternehmerischen Fäden in der Hand hat, bereut er laut eigener Aussage ganz und gar nicht.

Der Einstieg von GE im Jahr 2016 sei für Concept Laser auch eine Zukunftssicherung gewesen. »Wir sind zuvor sehr schnell gewachsen, teilweise um 100 Prozent im Jahr, mussten uns dann international aufstellen«, erinnert sich Herzog. Das habe Ressourcen in Anspruch genommen und letztendlich auch das Wachstumstempo gebremst. Dabei sei es im dynamischen AM-Markt sehr wichtig, »mit dabei zu sein. Man ist zum Wachstum verdammt. Wer nicht mitwächst bleibt auf der Strecke.«

DANK GE ALTES WACHSTUMS-TEMPO WIEDER DA

Mit GE und den jüngsten Investitionen sei nun auch das alte Wachstums-Tempo wieder da, berichtet Herzog. Der 105 Millionen Euro teure neue 3D-Campus am Standort Lichtenfels wird für weiteren Schwung sorgen. Das freue ihn auch für seine Mitarbeiter, denen sich im GE-Konzern auch interessante Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung ergeben.

Der 549 Millionen Euro schwere Anteilsverkauf an GE scheint Frank Herzog persönlich nicht verändert zu haben, auch wenn seine Rolle nun eine etwas andere ist. »Man muss bereit sein, im Konzern einen wichtigen Beitrag zu leisten.«

Auch der Absatz der Maschinen scheint sehr erfolgreich zu laufen. Natürlich ist GE einer der wichtigsten Abnehmer der Anlagen aus Lichtenfels, aber auch bei Unternehmen außerhalb des GE-Konzerns erfreuten sich die Anlagen von Concept Laser einer großen Beliebtheit: »Mit jeder Maschine, die wir an GE liefern, gehen drei an den Markt.«

Rund 160 Maschinen hatte Concept Laser zuletzt pro Jahr verkauft, wie viele das im Jahr 2017 waren seien, »darf ich leider nicht sagen«, antwortet Herzog im Gespräch. Dass sich für ihn als Teil einer großen Aktiengesellschaft auch die Kommunikationskultur geändert hat, »daran musste ich mich erst gewöhnen.«

Video zum A.T.L.A.S.-Projekt: