Rosige Zeiten für Fachkräfte

Text: Thomas Masuch

Nahezu Vollbeschäftigung in der AM-Industrie beschert Mitarbeitern beste Chancen auf interessante Positionen und steigende Löhne – für die expandierende Branche ist der Fachkräfteengpass dagegen eine echte Herausforderung.

Während bei vielen Unternehmen in der additiven Industrie in den vergangenen Jahren vor allem technologische Innovationen die Agenda bestimmten, ist inzwischen ein weiteres Thema in den Fokus gerückt: Das Gewinnen von Fachkräften wird für die gesamte Branche immer wichtiger.

Denn wer wachsen will, braucht Mitarbeiter. »In der AM-Industrie herrscht allerdings eine Arbeitslosigkeit von nahezu null Prozent«, berichtet Nick Pearce von der auf die AM-Industrie spezialisierten Personalvermittlung »Alexander Daniels Global«. Was nach einem Bericht aus der DDR oder Nordkorea klingt, ist für die Hersteller von Laserschmelzanlagen oder für Materialanbieter inzwischen Realität.

Universitäten und Unternehmen haben bereits auf den Fachkräftemangel reagiert: Additive Manufacturing (AM) wird innerhalb der klassischen ingenieurwissenschaftlichen Studienfächer angeboten. Die Unternehmen haben eigene Akademien zur Aus- und Weiterbildung ins Leben gerufen.

Darüber hinaus sind zum Beispiel in Deutschland zertifizierte Weiterbildungsangebote an der LZH Laser Akademie in Hannover oder der Hochschule Schmalkalden entstanden. Doch laut Agenturinhaber Nick Pearce reichen diese Angebote nicht aus, um den stark steigenden Bedarf nach Fachkräften zu decken. Schließlich wachse die Branche exponentiell.

 

 

"Die Industrie hat die Herausforderung, in den nächsten fünf bis zehn Jahren Mitarbeiter auszubilden oder Mitarbeitern aus anderen Branchen die nötigen Kenntnisse zu vermitteln."

 

»Krieg um Talente in der Additiven Fertigung«

In einer sehr umfangreichen Branchenstudie hat »Alexander Daniels Global« die aktuellen Trends und Herausforderungen im »Krieg um die Talente in der Additiven Fertigung« untersucht. Dafür wurden über 100 Unternehmen befragt und mehr als 4.000 Stellen im gesamten Feld der additiven Industrien in Betracht gezogen – unter anderem bei Maschinen- und Materialherstellern, Softwareanbietern sowie Anwendern. Sämtliche in der Studie befragten Unternehmen gaben an, 2017 ihre Personalstärke ausbauen zu wollen.

Den größten Bedarf sieht die Studie für die Bereiche Verkauf, Anwendungstechnik und Service. »Die Kernthemen in der Industrie sind Kosten, Geschwindigkeit, Wiederholbarkeit und die Verfügbarkeit von Materialien«, so Pearce. Bei den Fachkräften, die das erforderliche Wissen und die Erfahrung mitbringen, gebe es eine große Lücke zwischen der Nachfrage und der Verfügbarkeit. Entscheidend beim Kampf um die Fachkräfte sei deshalb: Bessere Bedingungen oder höhere Löhne als der Wettbewerb. Gleichzeitig wird es umso wichtiger, bestehende Mitarbeiter zu halten und weiterzubilden.

Für die Unternehmen sieht Pearce die Herausforderung, »in den nächsten fünf bis zehn Jahren Mitarbeiter auszubilden oder Mitarbeitern aus anderen Branchen die nötigen Kenntnisse zu vermitteln.«

 

 

Internationale Konzerne machen Personalmarkt noch umkämpfter

Auch das jüngste Engagement von Konzernen wie GE, HP oder Oerlikon hat einen deutlichen Einfluss auf den weltweiten Personalmarkt in der AM-Industrie. Während der Markt bis 2015 von bisherigen Größen wie Stratasys, 3D Systems, EOS und einigen anderen dominiert war, habe der Einstieg von HP und GE die Situation geändert. »HP und GE haben die Markenattraktivität und die Ressourcen, um die besten Köpfe der Branche zu gewinnen«, so Nick Pearce. Für die bisherigen Player oder Start-ups werde es dadurch immer schwieriger, die Kräfte zu bekommen, die sie benötigen, um ihre Geschäfte wie gewünscht weiterzuentwickeln.

Dass das Fachkräfteproblem in der AM-Industrie möglicherweise sogar das weitere Wachstum bremsen kann, ist auch der Politik bewusst. Auf dem von der EU geförderten Additive Manufacturing European Forum 2016 spielte neben den technischen Entwicklungen auch das Thema Personal eine wichtige Rolle.

»Löhne werden die nächsten fünf Jahre steigen«

Für Fachkräfte sorgt diese Entwicklung dagegen für rosige Zeiten. Neben interessanten Aufstiegschancen zeigt sich das vor allem beim Gehalt. Die meisten in der Studie befragten Unternehmen schätzen, dass sich die Löhne in den nächsten 12 Monaten nach oben entwickeln werden. Nick Pearce glaubt sogar, »dass die Löhne noch die nächsten fünf Jahre steigen werden, während die Zahl der verfügbaren Nachwuchskräfte limitiert bleibt.«

Obwohl die Branche inzwischen global stark vernetzt ist, gibt es zwischen den einzelnen Regionen starke Einkommensunterschiede. Laut Studie verdient ein Service Manager mit fünf bis zehn Jahren Berufserfahrung in Europa rund 65.000 EUR im Jahr. Während der Verdienst in der Region Asien-Pazifik nur geringfügig darunter liegt, zahlen die Unternehmen in den Vereinigten Staaten für einen erfahrenen Service Manager mit durchschnittlich über 83.000 EUR rund knapp 30 Prozent mehr. Noch größer seien die Unterschiede im Bereich Sales. Hier liegen die Einkommen in den USA teilweise um 50 Prozent und höher über denen in Europa.

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