»Jeder Fertigungsbetrieb sollte sich mit dem Thema Additive Fertigung beschäftigen«

Text: Thomas Masuch; Fotos: Thomas Klerx, Thomas Masuch

Sascha F. Wenzler, Bereichsleiter formnext beim Messeveranstalter Mesago Messe Frankfurt GmbH, spricht über die aktuellen Entwicklungen in der Additiven Fertigung.

Herr Wenzler, die formnext findet in diesem Jahr bereits zum drittem Mal statt. Wie hat sich die formnext entwickelt und was dürfen wir 2017 erwarten?

Wenzler: Wir können mit der formnext 2017 an die sehr erfolgreiche Entwicklung der ersten beiden Jahre anknüpfen: Seit dem Debüt 2015 sind wir jedes Jahr beachtlich gewachsen. Und in diesem Jahr werden wir die bereits erfolgreichen Zahlen des Vorjahres bei Ausstellern, Besuchern und Fläche noch einmal deutlich übertreffen. Damit hat sich die formnext zur Leitmesse für moderne, intelligente industrielle Fertigung entwickelt. Mit den Ausstellern haben wir die Weltelite der Additiven Fertigung an Bord. Außerdem zeigt die formnext eine kaum vergleichbare Dichte an Innovationen, was von den hochqualifizierten Fachbesuchern aus der gesamten Welt sehr geschätzt wird.

Für welche Unternehmen und Branchen ist Additive Fertigung und intelligente industrielle Produktion interessant?

Wenzler: Im Prinzip sollte sich jedes industrielle Fertigungsunternehmen vom Werkzeugbauer bis zum Automobilhersteller mit diesem Thema beschäftigen. Das Spannende sind die sehr vielseitigen Anwendungsbereiche von Additiver Fertigung, die ja auch als industrieller 3D-Druck bezeichnet wird. Heute kommt Additive Fertigung schon bei zahlreichen Produkten zum Einsatz: Vom Turnschuh über Zahnkronen bis zum Raketentriebwerk. Und dabei werden die Anwendungsmöglichkeiten kontinuierlich weiter wachsen. Schließlich beschäftigt sich industrieller 3D-Druck nicht nur mit Endprodukten sondern z.B. auch mit Bauteilen, Produktionsmitteln oder Ersatzteilen.

Additive Fertigung ist noch eine junge und sehr lebendige Branche. In Welche Richtung gehen die aktuellen Entwicklungen?

Wenzler: Wir erleben mit unseren Ausstellern der formnext immer neue Entwicklungen zum Beispiel im Automobilbereich und der Luft- und Raumfahrt. Aber auch andere Bereiche wie Medizintechnik, Consumer-Ware sowie Werkzeug- und Formenbau oder Maschinenbau stecken voller Innovationen. Getragen wird dies unter anderem von weiteren Entwicklungen bei den 3D-Druck-Anlagen. Hier erleben wir eine ständige Verbesserung bestehender Verfahren sowie die Einführung neuer Technologien zum Beispiel von Desktop Metal, HP oder XJET….

….mit dem Ziel, 3D-gedruckte Produkte noch günstiger zu machen?

Wenzler: Ja, in der Tat zielen viele Entwicklungen darauf ab, die Anlagen und Prozesse insgesamt immer effizienter zu machen, so dass die Produktionskosten von Additiver Fertigung noch weiter verringert werden können. Dadurch werden dann additiv gefertigte Bauteile in weiteren Anwendungsbereichen konkurrenzfähiger. Weitere wichtige Entwicklungsziele sind, die Produktvielfalt in den Anwendungen und die Komplexität der Produkte zu erweitern. Hier haben unter anderem die Entwicklungen im derzeit sehr dynamischen Materialbereich einen wichtigen Einfluss.

Wenn Unternehmen entscheiden, sich diese interessante Technologie ins Haus zu holen, worauf sollten sie achten? Worauf kommt es an?

Wenzler: Da die additive Fertigung sehr viele Möglichkeiten bietet, sollte man sich erst einmal umfangreich informieren. Auf der formnext bekommt man einen sehr guten Überblick, da neben den führenden Herstellern zahlreiche junge, sehr innovative Unternehmen und auch Dienstleiter vertreten sind. Darüber hinaus kommt es natürlich darauf an, für die eigene Unternehmensgröße und die eigenen Produkte die richtige Lösung zu finden. In manchen Unternehmen gibt es vom 3D-Druck begeisterte Mitarbeiter, die eine kleines Projekt verwirklichen, mit dem das Unternehmen dann deutlich größere Potentiale entdeckt. Entscheidend ist, dass sich die großen Potentiale von Additiver Fertigung in den Köpfen von Konstrukteuren und Entscheidern immer weiter verbreiten.

Eignet sich Additive Fertigung auch für die Serienfertigung?

Wenzler: Für die klassische Serienfertigung in der Automobilindustrie mit Hunderttausenden oder Millionen Metall-Bauteilen ist Additive Fertigung deutlich zu aufwändig. Aber wir haben bereits bei einigen Anwendungen, zum Beispiel bei Brillengestellen oder Flugzeugteilen, Stückzahlen von mehreren Tausend. Das wird sicherlich noch weiter steigen, wenn die AM-Maschinen sowie die Fertigungsprozesse noch effizienter werden. Das Ziel der Entwicklung im AM-Bereich sehe ich aber nicht unbedingt in der Produktion vieler baugleicher Teile da dabei nicht das volle Potential von AM genutzt wird. Vielmehr geht es auch darum, mittels AM an der richtigen Stelle intelligentere Prozesse in der Produktion zu installieren. Und das schließt von der Idee bis zum fertigen Produkt die gesamte Prozesskette industrieller Fertigung mit ein: Vom Design über Materialien, Soft- und Hardware und Nachbearbeitung bis zur Qualitätssicherung. Die entsprechenden Lösungen dafür bauen wir nach und nach ins Portfolio der formnext ein und einiges sehen Sie bereits auf der formnext 2017. 

Mehr Infos unter:

  • www.formnext.de