Wann lohnt sich die eigene AM-Anlage?

Interview: Thomas Masuch; Grafiken und Fotos: Ampower

Gerade mittelständische Unternehmen, die in die Additive Fertigung einsteigen, stehen oft vor der Entscheidung: eine eigene Maschine kaufen oder mit einem Dienstleister zusammenarbeiten? Dr. Maximilian Munsch, Partner des Hamburger Beratungsunternehmens Ampower, hat eine umfangreiche Studie zum Dienstleistermarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der additiven Metallfertigung erstellt und gibt darin richtungsweisende Antworten.

 

Herr Munsch, Sie haben in Ihrer Studie über 50 Dienstleister befragt, die über mehr als 120 Anlagen verfügen, und deren Angebote verglichen. Was sind die wesentlichen Ergebnisse Ihrer Marktuntersuchung?

MUNSCH: Zum einen haben wir festgestellt, dass sich der Preis bei den additiven Dienstleistungen im Metallbereich sehr stark unterscheidet. Zum Beispiel liegen die Preise für gedrucktes Aluminium zwischen 3 und 10 Euro je cm³. Und das ist überraschenderweise unabhängig davon, ob der Lieferant etabliert oder ein Start-up ist. Auch bei den großen Lieferanten sieht man diese großen Unterschiede. Übrigens ist diese Streuung auch unabhängig davon, ob eine Serienfertigung oder ein Prototypenbauteil angefragt wird.

 

Vergleichen die Kunden bei den Lieferanten die Preise nicht?

MUNSCH: Ja, in der Tat scheinen die Kunden sich bezüglich des Preises nicht intensiv auf dem Markt umzuschauen. Gleichzeitig besteht oftmals eine sehr enge Beziehung zwischen einzelnen Kunden und Lieferanten, die sich nicht nur über den Preis definiert. Wir sehen auch, dass der Markt noch immer dabei ist, sich zu finden.

 

 

»Eine eigene Anlage hat also den Vorteil, internes Know-how aufzubauen.«

Welche Schlüsse ergeben sich daraus für Anwender, gerade aus dem Mittelstand?

MUNSCH: Zuerst einmal sieht man, dass es sich durchaus lohnen kann, mehrere Lieferanten anzufragen. Außerdem kann man über die aktuellen Marktpreise ein grobes Screening vornehmen, ob sich eine Inhouse-Fertigung für einzelne Anwendungen und Bauteile lohnt.

 

Welche Antworten können Sie Unternehmen, die vor einer solchen Entscheidung stehen, mit auf den Weg geben?

MUNSCH: Die Entscheidung für »Make or Buy« hängt natürlich in erster Linie von der Menge der jährlich gefertigten Teile ab. Bei Aluminium (AlSi10Mg) erreicht man den Break-even bei etwa 125 kg im Jahr, bei Edelstahl (316L) erst bei 420 kg. Bei den Materialien erscheint uns Aluminium für den Einstieg am attraktivsten. Bei Edelstahl dagegen sind die Marktpreise im Vergleich zu den Fertigungskosten so niedrig, dass sich die Investition in eine eigene Fertigung derzeit kaum lohnt.

 

Können Sie uns die Hintergründe näher erklären?

MUNSCH: Die Additive Fertigung von Aluminium erfordert eine höherpreisige Anlage und deutlich mehr Know-how. Edelstahl ist hingegen schon auf einfacheren, älteren Anlagen in hoher Qualität herstellbar. Die Anlagen, auf denen gefertigt wird, sind oftmals bereits abgeschrieben und machen einen günstigen Marktpreis möglich.

 

Lassen sich denn solche Entscheidungen über den Preis treffen?

MUNSCH: Beim Aufbau einer Additiven Fertigung sind auch andere Aspekte zu bedenken. Neben der Infrastruktur für den gesamten Prozess sind die benötigten Fachkräfte ein entscheidender Faktor. Aufgrund des Fachkräftemangels gerade in dem Bereich kann das für kleinere und mittlere Unternehmen eine echte Herausforderung sein. Eine eigene Anlage hat jedoch auch den Vorteil, internes Know-how aufzubauen.

 

 

Mit Ihrem Unternehmen Ampower sind Sie erst seit Kurzem auf dem Markt. Welche Ziele verfolgen Sie?

MUNSCH: Wir sind seit Anfang 2017 am Markt und eines der wenigen wirklich unabhängigen Beratungsunternehmen für Additive Fertigung in der industriellen Anwendung. Gemeinsam mit meinen Partnern beschäftigen wir uns in unterschiedlichen Branchen zusammen seit über 20 Jahren mit der qualifizierten Additiven Fertigung. Neben der Beratung bei Investitionsentscheidungen und Fertigungslösungen bieten wir auch unsere Unterstützung beim internen Wissensaufbau und der Optimierung additiver Bauteile und Prozesse an. Dabei können wir nicht nur auf langjähriges Know-how in den laserbasierten Prozessen zurückgreifen, sondern können Kunden auch bei der Implementierung der Elektronenstrahltechnologie umfassend zur Seite stehen.

 

Als Zielgruppe konzentrieren Sie sich in erster Linie auf den Mittelstand. Warum?

MUNSCH: Zu unseren Kunden gehören auch größere Konzerne, doch den eigentlichen Bedarf für die Beratung sehen wir im Mittelstand. Die Entscheidung für den Einstieg in die Additive Fertigung ist bei Konzernen meist strategisch und wird dann konsequent umgesetzt. Das heißt, sie investieren in ein eigenes AM-Zentrum, stellen die benötigten Fachkräfte ein, generieren damit Know-how und ein modernes Image. Im Gegensatz dazu sehen Mittelständler, die bisher in der konventionellen Fertigung unterwegs sind, den Einstieg in die Additive Fertigung eher als Investition, die sich rechnen muss. Und da wir neben unserer technischen Erfahrung auch den Markt und die Preise kennen, können wir hier umfassend unterstützen.

Herr Munsch, wir bedanken uns für das Gespräch.

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