DER THEMATIK MIT OFFENEM HORIZONT NÄHERN

Interview: Thomas Masuch; Foto: VDMA

Im Juni 2017 haben die formnext und die Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing (AG AM) im VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) eine Partnerschaft vereinbart. Die AG AM übernimmt damit die ideelle Trägerschaft der formnext. Dr.-Ing. Markus Heering, Geschäftsführer der AG AM im VDMA, spricht im Interview über die neue Partnerschaft und die Entwicklungen der Branche.

Sehr geehrter Herr Dr. Heering, was gab für Sie den Ausschlag, ideeller Träger der formnext zu werden?

HEERING: Wir sind mit der formnext und dem Veranstalter Mesago Messe Frankfurt schon länger in Kontakt. Schließlich ist die formnext inzwischen die wichtigste Messe für Additive Fertigung in Europa und mit ihrer hohen Innovationsdichte auch weltweit führend. Sie ist die richtige Plattform für uns, um die Branche noch weiter voran zu bringen. Der Wunsch, die Kooperation weiter zu verstärken, kam direkt aus unserem Mitgliederbereich. 

 

Wie setzt sich die AG AM im VDMA zusammen und welche Ziele haben Sie?

HEERING: Wir haben rund 120 Mitglieder. Neben den Herstellern von Maschinen und Anlagen sind dies unter anderem auch Anwender, Zulieferunternehmen und Hochschulen. Unser Ziel ist es, Additive Fertigung noch stärker in industrielle Prozesse zu integrieren. Wie das erfolgreich gelingen kann, zeigen wir zum Beispiel auch auf der formnext anhand von Best-Practice-Beispielen.

»Unsere Erfahrung zeigt eine steigende Zahl von Industrie-Unternehmen, die Additive Fertigung anwenden und damit Erfolg haben.«

Wo sehen Sie im industriellen Einsatz von Additiver Fertigung die aktuellen Herausforderungen und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Branche ein?

HEERING: Eine große Herausforderung für die industrielle Integration ist die Vernetzung sämtlicher Prozessschritte der Additiven Fertigung. Ein Beispiel dafür ist der Bereich Software, wo wir eine Lösung benötigen, die einen Datenaustausch über Maschinen und Prozesse hinweg ermöglicht. Auch im Bereich Konstruktion besteht eine Herausforderung. Additive Fertigung ergibt vor allem dort Sinn, wo durch diese Fertigungstechnologie zusätzliche Funktionen geschaffen werden. Die Konstrukteure haben aber über Jahrzehnte gelernt, für herkömmliche Fertigungsverfahren zu konstruieren. Wenn gleichzeitig die Fertigungstechnologie noch schneller wird, dann werden wir in den kommenden Jahren weiterhin dieses hohe Wachstum erleben.

 

Im gesamten VDMA haben Sie einen engen Kontakt zu Industrieunternehmen aus verschiedenen Branchen. Wie ist hier die Reaktion auf Additive Fertigung?

HEERING: Das ist wie immer im Leben: Viele Unternehmen informieren sich und nutzen diese Technologie, andere sind mit konventionellen Verfahren weiterhin erfolgreich am Markt. Aber unsere Erfahrung zeigt eine steigende Zahl von Industrie-Unternehmen, die Additive Fertigung anwenden und damit Erfolg haben.

 

Wie lautet denn Ihre Empfehlung für ein mittelständisches Industrie-Unternehmen in Bezug auf Additive Fertigung?

HEERING: Ob sich diese Technologie lohnt, hängt vom Produkt und Unternehmen ab. Wenig sinnvoll ist es, mit einem konventionell hergestellten Bauteil z.B. auf die Messe zu gehen und dies nun additiv fertigen zu wollen. Es ist ein grundsätzlich anderes Denken wichtig: Man muss sich dieser Thematik mit einem offenen Horizont nähern. Insgesamt ist es absolut ratsam, sich mit dieser Technologie auseinanderzusetzen.

Herr Dr. Heering, wir bedanken uns für das Gespräch.