»Wir wollen uns mit den traditionellen Technologien messen«

Text: Thomas Masuch; Fotos: Desktop Metal

Desktop Metal gilt als eines der schillerndsten jungen Unternehmen, die auf der formnext 2017 anzutreffen waren. Ausgestattet mit dem Know-how zahlreicher MIT-Professoren und 200 Millionen Euro an Investitionen, hat der junge Anlagenhersteller aus der Nähe von Boston / Massachusetts bereits im Vorfeld eine kleine Revolution in der Additiven Fertigung von Metall-Teilen versprochen. Mit dem »Production System« will man bis zu 100 mal schneller sein als laserbasierte Systeme für den Metall-Druck. Entsprechend gefüllt mit interessierten Besuchern war der Messestand. Wir sprachen mit Jonah Myerberg, CTO und Mitgründer, über die weitere Strategie von Desktop Metal.

Herr Myerberg, Desktop Metal hat in den letzten Monaten viel versprochen. Wie ist der aktuelle Stand?

MYERBERG: Wir befinden uns gerade in der Beta-Entwicklung und arbeiten dabei mit einigen »Pioneer Customers« zusammen. Aktuell stehen unsere Prototypen in der Fabrik in Boston und fertigen Kundenanwendungen. Mit rund 100 Mitarbeitern arbeiten wir daran, das Design und die Abstimmungen der Anlagen auf die Serienproduktion vorzubereiten. Aktuelle Entwicklungen haben wir noch in den Bereichen Zuverlässigkeit, ganzheitliche Automation, und Pulverrecycling.

 

Wie wird der Vertrieb organisiert sein?

MYERBERG: Aktuell bauen wir den Vertrieb für unser Studio-System auf, und werden die Strukturen dann auch für das »Production System« nutzen. Vorbestellungen nehmen wir bereits auf, der Verkauf läuft zum Beispiel in Europa über renommierte Vertriebspartner, zum Beispiel Alphacam, Tritech 3D und andere. Um die Kontakte zur deutschen Automobilindustrie weiter zu verstärken, haben wir unser europäisches Headquarter in München eröffnet. Die Auslieferung der Serienanlagen planen wir ab 2019.

Für uns geht es aber im Wesentlichen um effiziente Produktion. [...] Der Mehrwert muss nicht immer am Bauteil entstehen, sondern ist auch in der Produktion möglich.

 

Aus welchem Grund liegt der Fokus gerade auf Deutschland?

MYERBERG: Wir haben auf der formnext erlebt, dass es ein riesiges Potenzial für unsere Technologie und die Anwendungen gibt. Wir hatten hier viele sehr gute Kontakte in die Anwenderindustrie. Deutschland ist für uns wichtig als bedeutender Markt für Metall-Spritzguss (MIM).


Für welche Kunden, Anwendungen und Stückzahlen lohnt sich das System?

MYERBERG: Mit dem »Production System« richten wir uns vor allem an die Automobilindustrie. BMW ist einer unserer ausgewählten strategischen Partner, die mit uns zusammen das Studio System bereits einsetzen. Das »Production System« lohnt sich für Stückzahlen von 1 bis mehrere Hunderttausend. Der herkömmliche Metall-Spritzguss erfordert recht hohe Start-Investitionen von mehr als 100.000 Euro und lohnt sich deshalb erst ab recht hohen Stückzahlen. Wir füllen hier eine Lücke und schaffen für Anwender die Möglichkeit, neue Partner und Kunden zu finden.

Bisher ist Additive Metallfertigung in der Regel recht kostenintensiv. Bei den meisten aktuellen Anwendungen kam es deshalb darauf an, einen zusätzlichen Mehrwert zu schaffen.

MYERBERG: Zusätzlicher Mehrwert ist die Sahne auf der Torte. Für uns geht es aber im Wesentlichen um effiziente Produktion. Wir wollen uns mit den traditionellen Technologien messen. Der Mehrwert muss nicht immer am Bauteil entstehen, sondern ist auch in der Produktion möglich, zum Beispiel durch die Einsparung von Material.

 

Die Binder-Jetting-Technologie ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt, konnte sich bisher aber noch nicht richtig durchsetzen. Unter anderem, weil sie manchmal noch den Einsatz eines anderen Metalls erfordert oder die Teile nach dem Sintern sehr porös sind. Was macht Desktop Metal jetzt anders, wie hoch wird die Dichte der Bauteile sein?

MYERBERG Zwar gibt es Binder Jetting schon seit Jahren, aber unser »Production System« basiert auf einem neuen Ansatz im metallischen 3D-Druck: Single Pass Jetting. Die Technologie wurde entwickelt von den Erfindern des »Binder Jetting« (Ely Sachs ist einer der Gründer von Desktop Metal) und des »Single Pass Inkjet« (Paul Hoisington, ebenso bei Desktop Metal). Mit »Single Pass Jetting« können Teile in Minuten statt in Stunden gefertigt werden. Die Technologie eignet sich damit bestens für die Produktion von komplexen, anspruchsvollen Metallteilen in hoher Stückzahl. Ohne notwendige Nachbearbeitung ist sie traditionellen Fertigungsmethoden wie Guss überlegen und profitiert gleichzeitig von den AM-Vorteilen wie Just-in-time-Produktion und »Mass Customization «. Außerdem ist unser System so konstruiert, dass es auch MIM-Materialien verwenden kann. Wir infiltrieren nicht, wir sintern und erreichen eine hohe Dichte ähnlich wie Teile aus MIM und anderen pulvermetallurgischen Prozessen.

 

 

 

Info: »Production System«

Basierend auf der Single-Pass-Jetting-Technologie(SPJ) verspricht Deskton Metal mit dem Production-System die sehr schnelle Produktion von Metallbauteilen. Die Anlage verfügt über einen Bauraum von 330 x 330 x 330 mm und »druckt« sowohl Pulver als auch ein Bindermaterial in dünnen Schichten. Dabei wird laut Desktop Metal eine Produktionsgeschwindigkeit von bis zu 8.200 cm³ je Stunde erreicht. Im Anschluss müssen die Teile noch chemisch »entbindert« und in einem Ofen gesintert werden.