»Auf dem Weg zur Serie«

Interview: Thomas Masuch

Wie weit ist die Additive Fertigung auf dem Weg in die Serienfertigung? Antworten darauf gibt Carl Fruth im Interview mit dem »fon«-magazin. Als Gründer und Geschäftsführer der FIT AG ist er nicht nur ein wichtiger Player, sondern gilt auch als Vordenker im Bereich Additive Fertigung. Anfang 2016 hat die FIT AG die erste speziell für Additive Fertigung konzipierte Fabrik in Betrieb genommen.

 

Herr Fruth, was sind die aktuellen Entwicklungen bei FIT?

Fruth: Unsere FIT Factory wird jetzt noch weiter optimiert. Die baut man nicht einfach so, die muss sich entwickeln. Wenn wir einen gewissen Reifegrad erreicht haben, ist der nächste Schritt, diese Fabrik zu kopieren. Denn das Wesentliche in der Industrialisierung ist die Herstellung von Skalierbarkeit.

 

Reagieren Sie damit auf die weiter steigende Nachfrage?

Fruth: Das ist immer die Frage nach der Henne und dem Ei. Wir haben als führendes Unternehmen in der industriellen Additiven Fertigung eine wichtige Position. Da reagiert man nicht, sondern man geht voran.

 

Mit Ihrer Fabrik für die Additive industrielle Serienfertigung gehören Sie ohne Frage zu den Vorreitern der Branche. Was zeichnet eine additive digitale Fabrik aus?

Fruth: Zuerst einmal produziert eine solche Fabrik eine Vielzahl unterschiedlicher Teile. Damit ist das im Prinzip gar keine Fabrik, sondern eher ein Warenhaus, das konfigurierbare Teile anbietet. Diese Fabrik ist sehr schlank organisiert und funktioniert nach einem Pull-System, das heißt, der Kunde bestimmt den Antrieb.

 

 

"Es muss die Herausforderung für die nächsten Jahre sein, fundamental günstiger zu werden."

… und technologisch?

Fruth: Im Gegensatz zu den oftmals gezeigten Konzepten der Hersteller sehe ich die Zukunft der industriellen Additiven Fertigung nicht in einer Fabrik, in der viele Maschinen in einer Reihe stehen. Es kommt gar nicht so sehr auf die Technik an, das Wesentliche ist die Struktur. Und was es nicht heißt: Dass es nur Maschinen von einem Hersteller gibt. In der industriellen Fertigung wird immer der Hersteller ausgesucht, der für die jeweilige Anwendung die günstigste Lösung bietet.

 

Worin sehen Sie noch Hürden, die einer Additiven Serienfertigung im Weg stehen?

Fruth: Die Technologie und der Markt kranken noch an verschiedenen Stellen. Oftmals haben wir keine Produkte, die für additive Fertigung konzipiert sind. Und für bestehende Produkte, die in der Regel für eine andere Produktionstechnologie entwickelt wurden, macht Additive Fertigung meist wenig Sinn.

Wo liegen noch die Unterschiede zur konventionellen industriellen Fertigung?

Fruth: Industrielle Fertigung heißt: Hohe Qualität zu geringen Kosten. Additive Fertigung hat im Moment noch furchtbar hohe Kosten. Deshalb kommt es immer darauf an, mit den Produkten einen Mehrwert zu gestalten. Wir haben im Metallbereich derzeit einen Produktpreis von rund 3 Euro pro Gramm. Selbst wenn wir diesen Preis auf 10 Prozent reduzieren, wird es für die Serienfertigung ganzer Produkte meist noch viel zu teuer sein. Die Frage ist deshalb nicht der Preis, sondern wie ich damit Geld verdienen kann.  

 

Dennoch spielt der Preis, wie in jeder Branche, eine wichtige Rolle. Am Ende will schließlich jeder mit seinem Business Geld verdienen. Wie haben sich bei FIT die Teilekosten durch die Einführung von digitaler Fertigung entwickelt? Und wie beurteilen Sie die Entwicklungen in der Branche?

Fruth: Wir sind schon günstiger geworden, etwa um den Faktor 2. Wenn ich mir die Entwicklungen in der Branche anschaue, dann sehe ich viele Hersteller, die immer mehr Extras und Roboter zeigen. Aber keiner zeigt mir eine Lösung, wie ich zum Beispiel in fünf Jahren zu 10 Prozent der aktuellen Kosten fertigen kann. Die Entwicklung geht für Fertiger wie uns in die falsche Richtung. Dabei muss es die Herausforderung für die nächsten Jahre sein, fundamental günstiger zu werden.

Produkte mit größerem Mehrwert, die passend für die Additive Fertigung gestaltet sind: Das können Sie als »Lohnfertiger« nur in Zusammenarbeit mit Ihren Kunden schaffen.

Fruth: Wir arbeiten hier natürlich mit unseren Kunden eng zusammen. Die große Herausforderung dabei ist, dass dies nicht irgendwelche Tüftler, sondern meist Konzerne sind. Und da orientiert sich das Denken meist an vorgegebenen Standards.

 

Zurück zum Unternehmen FIT. Sie haben 40 Prozent Frauen im Unternehmen. Wie haben Sie es geschafft, so viele Frauen für Additive Fertigung zu begeistern?

Fruth: Unsere Prozesse sind gut strukturiert, so dass wir auch relativ leicht Mitarbeiter aus anderen Branchen beschäftigen und ins Unternehmen integrieren können. Wir haben dadurch viele Quereinsteiger, die bei uns das erforderliche Know-how bekommen. Außerdem sind wir ein sehr junges Unternehmen mit einem Altersdurchschnitt von rund 30 Jahren. Und zum Beispiel in der Ausbildung für den Modellbau, der sehr kreativ ist, haben wir eine sehr hohe Frauenquote.

 

Im Jahr 2016 haben Sie mit 250 Mitarbeitern einen Umsatz von 24 Mio. Euro erwirtschaftet. Pro Mitarbeiter sind das weniger als 100.000 EUR. Für ein stark strukturiertes Unternehmen erscheint das vergleichsweise wenig.

Fruth: Zum einem haben wir im Unternehmen neben der Additiven Fertigung auch einen hohen Anteil von Modellbau, der sehr personalintensiv ist. Außerdem sind unter den 250 Mitarbeitern 40 Auszubildende. Und Sie dürfen nicht vergessen, dass wir in einem dynamischen Wachstumsprozess sind. Wachsen kann man nicht, wenn man komplett ausgelastet ist. Dafür benötigen Sie freie Kapazitäten.

 

Ganz aktuell haben Sie sich an Sinterit beteiligt – einem polnischen Hersteller von Desktop-SLS-Druckern. Welche Ziele verfolgen Sie mit FIT dabei?

Fruth: Sinterit baut Anlagen, die zwar nicht die allerschnellsten, aber günstig und präzise sind. Damit wollen wir die additive Technologie noch stärker in Schulen und Ingenieurbüros bringen und das additive Denken weiter streuen. Wir wollen dazu beitragen, dass die Menschen lernen, den Mehrwert der Additiven Fertigung schon frühzeitig bei der Entwicklung der Produkte zu berücksichtigen. Denn wir brauchen mehr Teile und Produkte, die für die Additive Fertigung entwickelt wurden.

Herr Fruth, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

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