Editorial 01 2017

von Sascha F. Wenzler

Kennen Sie Antonio Meucci oder Josef Ressel? Beide waren großartige Tüftler und Erfinder, doch leider blieb ihnen der Erfolg und damit die Bekanntheit verwehrt. Der gebürtige Italiener Meucci hatte 1860 in New York seinen Fernsprechapparat vorgestellt, doch ihm fehlte das Geld für die Patentanmeldung. Diese übernahm 16 Jahre später ein gewisser Alexander Graham Bell. Nicht viel erfolgreicher verlief die Erfinder-Laufbahn von Josef Ressel. Der in Böhmen geborene Forstbeamte hatte in seiner Freizeit eine Schiffsschraube entwickelt, deren Effizienz die damals verbreiteten Schaufelradantriebe deutlich übertraf. Doch bei der prestigeträchtigen Probefahrt versagte die Dampfmaschine. Und als Ressel seine Erfindung in Frankreich vorstellte, sicherte er sich nicht ausreichend gegen Kopien und Nachahmer ab.

Ruhm und Geld verdienten dann andere. Ressel strengte zahlreiche Klagen an, die ihn letztendlich nur sein Vermögen kosteten und ihn vor 160 Jahren verarmt sterben ließen. Einerseits halten Unternehmen heute ihre mitunter sehr kostspieligen Entwicklungen und Innovationen teilweise gut unter Verschluss. Doch andererseits hat sich der Umgang mit Innovationen auch geändert, gerade in der Welt der additiven Fertigung und der intelligenten Produktion. Denn wer hier langfristig erfolgreich sein will, der kann nicht nur kopieren. Dafür ist die Branche viel zu lebendig, dafür haben neue Entwicklungen eine zu kurze Halbwertszeit.

Im Gegensatz zu den tragischen Erfindergeschichten haben die meisten Unternehmen in unserer Branche verinnerlicht, dass sie auch durch Kooperationen und Austausch erfolgreich sein können. In der heutigen additiven Welt wären Meucci und Ressel auch nach dem Verlust ihrer Erfindungen gefragte Fachleute. Beide würden sicherlich als geschätzte Entwickler auf einer vielversprechenden Position bei einem der aufstrebenden Unternehmen der Branche arbeiten. Wie viel man als gesuchte/-r Fachfrau oder -mann verdienen kann, lesen Sie übrigens in diesem Heft. Außerdem erfahren Sie viel über die aktuellen Innovationen der Branche. Unter anderem haben wir für Sie das Metall-3D-Druck-Zentrum bei Audi in Ingolstadt besucht.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen. Lassen Sie sich von dieser Ausgabe des »fon«-magazins inspirieren.

Ihr Sascha F. Wenzler
Bereichsleiter formnext

 

 

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