Von Kindern lernen

von Thomas Masuch

Fräsen, Drehen, Schleifen und alle weiteren abtragenden Verfahren gelten in der additiven Welt bekanntermaßen als konventionelle Fertigung. Diese »klassischen « Technologien werden in Tausenden mittelständischer Unternehmen angewendet. Und hier findet man manchmal auch einen ganz bestimmten Unternehmertypen: Dieser hat vor rund 20 bis 30 Jahren sein Unternehmen gegründet, hat früher selbst Erfahrung mit Fräs- und Drehmaschinen, Spänen, Lärm und Öl gesammelt und im Laufe der Jahre ein recht erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Von Krisen abgehärtet und vom eigenen Erfolg bestärkt, ist er von seiner Meinung überzeugt, trotzdem bodenständig, hemdsärmelig, auf seine Art auch liebenswert und eben durch und durch der »Chef«.

Nun habe ich das Glück, ein solches Unternehmerexemplar in meinem Freundeskreis haben zu dürfen. Vor mehr als einem Jahr unterhielten wir uns über Additive Fertigung und ich erzählte ihm, dass diese Technologie auch für seinen etwa 50 Mitarbeiter großen Fertigungsbetrieb spannende Chancen bietet. Zudem könnte er noch stärker junge Menschen für seinen Betrieb und die technische Ausbildung interessieren.

Doch seine Begeisterung hielt sich damals in Grenzen. »Kümmer Du Dich mal um Dein Geschäft und ich kümmer mich um meines. Und das ist Zerspanung und kein 3D-Druck.« Damit war das Thema erst einmal erledigt, bis wir vor einigen Wochen zusammen die Ausbildungsräume einer Handwerkskammer besuchten. In der Klasse für Zerspanungsmechaniker begegneten uns die jungen Auszubildenden zuerst etwas träge. Doch als die Rede auf das Thema 3D-Druck kam, glänzten viele Augenpaare und einige der Azubis berichteten, dass sie zu Hause schon selbst am eigenen PC konstruieren und für die gesamte Bekanntschaft individuelle Handyhüllen und anderes drucken.

Einen Raum weiter nahmen mehr als 20 Schüler und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren an einer Ferienaktion der Handwerkskammer teil. Sie montierten mit viel Begeisterung einen im Bausatz gelieferten FDM-Drucker und konnten es kaum erwarten, das Gerät am Nachmittag mit nach Hause zu nehmen.

»Wieso gibt es das eigentlich nicht bei uns in der Ausbildung«, hörte ich da neben mir die Frage meines Unternehmerfreundes an seinen Ausbildungsleiter. Und ich freute mich, dass auch gestandene Männer so schnell von freudigen Kinderaugen lernen können.