ZUM WACHSTUM GEZWUNGEN

Text: Thomas Masuch; Fotos: Additive Industries - 27.05.2018

Additive Industries aus den Niederlanden will unter die Top Drei der Anlagen-Hersteller für metallischen 3D-Druck.

Schon auf der formnext 2017 präsentierte Daan A.J. Kersten für Additive Industries große Pläne: »We join the race to the top!«. Kersten möchte sein vor fünf Jahren gegründetes Unternehmen unter den Top Drei weltweit etablieren. Derzeit belegt das 50 Mitarbeiter zählende niederländische Unternehmen nach Kerstens Einschätzung etwa Rang sieben. Seine Wachstumspläne sind von der Marktdynamik getrieben: Die Branche befinde sich nach wie vor in einem dynamischen Wachstum, würde sich aber gleichzeitig durch den Einstieg großer Konzerne wie GE und DMG konsolidieren. »Und das wird sicherlich noch nicht alles sein.«

Der Einstieg der »Großen« hat nach Kerstens Ansicht für den Rest der Hersteller von industriellen AM-Anlagen konkrete Folgen: »Es wird immer schwieriger für andere Player, im Markt zu bestehen. Unternehmen, die relativ klein bleiben, werden in Zukunft nur schwer ohne Partner überleben können.«

"Man kann großartige Systeme und eine schöne Software anbieten, aber am Ende muss das Ganze arbeiten."

Für Additive Industries sieht Kersten deshalb nur eine Antwort auf die aktuellen Marktentwicklungen: »Wir müssen schnell größer werden. In diesem Markt ist Wachstum die richtige Entscheidung.« Denn nur so könne man »das eigene unternehmerische Schicksal selbst gestalten«. Eine ähnliche Motivation führte dazu, dass Frank Herzog, Gründer von Concept Laser, 75 Prozent seines Unternehmens an GE verkaufte (wir berichteten in Ausgabe 01/2018).

NEUE FABRIK IN EINDHOVEN

Die Wachstumspläne unterstreicht Kersten auch mit dem Umzug in die neue Fabrik in Eindhoven im April 2018. »Da haben wir viel Platz, um zu wachsen.« 2018 soll sich die Mitarbeiterzahl verdoppeln, gleichzeitig sollen 20 – 25 industrielle Anlagen produziert und ausgeliefert werden. Wachstum kostet erst einmal Geld. Auf die Frage, wie Additive Industries seine Zukunftspläne finanziert, verweist Kersten auf einen der größten Unternehmensteilhaber, ein großes niederländisches Familienunternehmen, das mit seinem Invest langfristige Pläne verfolge.

Die Wachstumsstrategie von Additive Industries zeigt sich auch international: Neben der geplanten neuen Niederlassung in Singapur hat Additive Industries im Dezember 2017 ein »Process & Application Development Center« in Los Angeles eröffnet. Das 500 Quadratmeter große Center bietet Platz für 20 Mitarbeiter und soll durch die Nähe zur Raumfahrtindustrie in Südkalifornien dabei helfen, am starken Wachstum des amerikanischen Space-Sektors teilzuhaben. Hier verspricht sich Kersten große Potenziale, schließlich »sehen wir in der Raumfahrt aktuell die fortschrittlichsten AM-Anwendungen«.

FOKUSSIERUNG AUF PRODUKTION

Eine weitere Basis, um im umkämpften Markt bestehen zu können, ist für Kersten die sehr klare Ausrichtung seines Unternehmens mit im Prinzip nur einem Produkt, der MetalFAB1. Diese Zielrichtung hatte der Maschinenbauingenieur auch schon vor fünf Jahren bei der Gründung von Additive Industries. Es gab damals bereits zahlreiche Player und Maschinen auf dem Markt, »aber die hatten alle nur Prototyping im Blick. Wir haben dagegen in der AM-Produktion von Endteilen ein großes Marktpotenzial gesehen und dafür eine Maschine konzipiert.«

2016 wurde dann die erste MetalFAB1 ausgeliefert, aktuell seien zwischen »10 und 15 Anlagen installiert«. Einige Maschinen sind derzeit bei Beta-Kunden im Einsatz. Additive Industries gab diesen Entwicklungs-Kunden einen günstigeren Maschinenpreis, sammelte dafür zusammen mit den Partnern Erfahrungen bei konkreten Anwendungen. Entscheidender Faktor, um auch renommierte Konzerne zur Teilnahme am Beta-Programm zu überzeugen: »Wir sind wirklich offen für Innovationen.«

NAMHAFTE PARTNER

So kann Additive Industries bereits auf prominente und sehr leistungsstarke Partner zählen: Bei Airbus ist eine MetalFAB1 im Einsatz, ebenso seit Oktober 2017 bei Sauber Motorsport. Additive Industries ist dadurch auch Partner des Schweizer Formel-1-Teams. Daneben bereitet der Technologie-Konzern GKN, der auch einer der weltweit größten Pulverproduzenten ist, bereits den Schritt in die Serienfertigung vor (wir berichteten in Ausgabe 01/2018).

Serienfertigung ist auch das Ziel der Kooperation mit der 14.000 Mitarbeiter starken SMS Group. Ganze Turn-Key-AM-Fabriken will der Düsseldorfer Konzern künftig anbieten, einschließlich Pulver-Atomiser, CNC-Maschinen zur Nachbearbeitung, Qualitätssicherung und natürlich MetalFAB1-Anlagen.

AUTOMATISIERUNG RÜCKT NÄHER

Die technische Neuheit, die Additive Industries auf der formnext 2017 präsentierte, macht den nächsten Schritt in Richtung Automatisierung und Serienfertigung: Für die modular aufgebaute und erweiterbare MetalFAB1 präsentierte Additive Industries das neue Modul »Product Removal«. Dieses verfügt über eine Bandsäge und eine 3-achsige Fräse.

Das Modul entfernt das Restpulver im Bauteil, trennt es von der Bauplatte und fräst diese dann in ihren ursprünglichen Zustand. Eine 100-prozentige Automatisierung erreicht das Modul allerdings noch nicht. Dafür verspricht Kersten eine hohe Zuverlässigkeit: »Man kann großartige Systeme und eine schöne Software anbieten, aber am Ende muss das Ganze arbeiten.«

Darüber hinaus zeigte Additive Industries auf der formnext 2017 eine neue Software, die für mehr Produktivität im Bauraum sorgen soll. »Der Trend geht zwar zu immer mehr Lasern, aber die müssen auch arbeiten können«, sagt CTO Mark Vaes. Die Herausforderung sei dabei, die Laser so zu steuern, dass sie nicht im Rauch stehen. Dafür würde die neue Software mit anderen Parametern arbeiten. Insgesamt soll die MetalFAB1 damit auf ein Produktionsvolumen von rund 1.000 dm³ / Jahr kommen.

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