„Kann man nicht auf Youtube lernen“

Text: Thomas Masuch; Fotos: Robert Hofmann, B/E Aerospace, Volkswagen, Zikomm - 01.09.2018

Robert Hofmann war einer der additiven Pioniere in Deutschland – heute hat er den industriellen 3D-Druck in seinem Unternehmen längst etabliert und druckt auch Metallteile in Serie.

Serie: Der Weg in die additive Serienfertigung

Während oft noch diskutiert wird, ob sich Metall-3D-Druck schon auf dem Weg zur Serienreife befindet, ist die additive Produktion größerer Stückzahlen bei der Robert Hofmann GmbH, auch bekannt als »Hofmann – Ihr Möglichmacher«, in Lichtenfels bereits Realität. »Wir drucken Losgrößen von im Schnitt 1.000 bis 2.000 Stück«, berichtet Inhaber und Geschäftsführer Robert Hofmann im Gespräch mit dem Formnext magazin.

Robert Hofmann ist in Deutschland einer der Pioniere der Additiven Fertigung und hat in seinem ursprünglich als Modellbau gegründeten Unternehmen die Zeichen früh auf industriellen 3D-Druck gestellt. Bereits 1992 trieb dieses neue Thema den gelernten Werkzeugmacher und Modellbaumeister an. Kurz nach der Gründung seines Unternehmens flog er in die USA, kehrte mit einem Stereolithografie-Drucker zurück und nahm damit »einen der ersten 3D-Drucker in Deutschland« in Betrieb. Dieser Drucker war im Vergleich zu den heutigen Kunststoff-Druckern recht kostspielig »und funktionierte nur bedingt«. Für die ersten brauchbaren Teile waren mehrere Versuche nötig. Trotzdem hatte ihn diese Technologie so fasziniert, dass bald zahlreiche weitere Drucker in seinem Unternehmen standen.

»Wir wollen in der Bauteilentwicklung beim Kunden mit eingebunden sein.«

EINSTIEG HEUTE NICHT EINFACHER

Die Robert Hofmann GmbH entwickelt sich auch dank der Additiven Fertigung rasant und beschäftigt heute in Lichtenfels und an den Standorten in Spanien und China mehr als 300 Mitarbeiter. Gleichzeitig wuchs auch die Heimatstadt, das oberfränkische Lichtenfels, durch die von ihm und seiner Familie vorangetriebene Gründung der Firma Concept Laser zu einem wichtigen Zentrum der Additiven Fertigung in Europa.

Im Gegensatz zu der Gründerzeit in den 1990ern ist die Technologie heute schneller, zuverlässiger und breiter aufgestellt. Der Einstieg in die Additive Fertigung sei für Unternehmen vor allem im Metallbereich aber nicht unbedingt einfacher geworden, so Robert Hofmann. Im Gegensatz zu den Anfangsjahren des 3D-Drucks »benötigt man heute ja nicht nur einen Drucker, sondern auch die Konstruktion, die Nachbearbeitung, Öfen, Labor, Qualitätskontrolle und Zertifizierungen.« Betrieben, die sich nur auf das reine Drucken und Ausliefern von Teilen spezialisieren, prognostiziert der 55-jährige Unternehmer ein hartes Marktumfeld »Davon wird es sehr viele geben. Das ist aber nicht unser Business.«

Seit über zehn Jahren druckt Robert Hofmann auch Serienteile aus Metall und verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Dazu zählen neben der Produktion auch die Bereiche Kon-struktion, Finishing und Qualitätskontrolle. Manchmal kommen Kunden mit einem Teil, das in der Vergangenheit gefräst wurde und nun gedruckt werden soll. »Das macht meist wenig Sinn, ist aber oftmals der Ausgangspunkt, um sich mit dem Kunden zusammenzusetzen und darüber nachzudenken, wie man das Teil verbessern kann«, berichtet Robert Hofmann.

Denn um die Möglichkeiten der Additiven Fertigung voll auszuschöpfen, »wollen wir in der Bauteilentwicklung beim Kunden mit eingebunden sein.« Dies erfordere zwar einen höheren Aufwand und mehr Zeit, »und manchmal kann es auch zwei Jahre dauern, bis ein vernünftiges Teil gedruckt wird.« Dafür können auf diesem Weg aber sinnvolle additive Bauteile entwickelt werden, die dann oftmals die nächste Generation des Endproduktes auch verbessern und einen Mehrwert schaffen.

AM IN MODERNEN PRODUKTIONSABLAUF INTEGRIERT

Der Erfolg der Additiven Fertigung liegt bei der Robert Hofmann GmbH auch daran, dass diese Technologie hier in einen modernen und teilweise automatisierten Produktionsablauf inklusive Nachbearbeitung und Qualitäts? sicherung integriert ist. Gleichzeitig investiert Robert Hofmann kräftig in die Erweiterung seines Unternehmens. In einer neuen, 2.000 Quadratmeter großen Halle stehen bereits 15 additive Anlagen – natürlich von Concept Laser. Viele weitere sollen folgen.

Neben der Additiven Fertigung bietet Robert Hofmann auch weitere konventionelle Fertigungsmethoden wie Fräsen oder Spritzguss an. Schließlich ist der 3D-Druck ja nicht immer die optimale Lösung. Aktuell ist die klassische Fertigung umsatzstärker, »doch mit dem 3D-Druck wollen wir weiter stark wachsen «, erklärt Robert Hofmanns Sohn Oliver. Dieser ist im August in die Geschäftsführung eingestiegen und möchte in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Als Dienstleister ist Robert Hofmann auch davon abhängig, ob sich seine Kunden von den Vorteilen der Additiven Fertigung überzeugen lassen und auch konstruktive Anpassungen vornehmen. »Die meisten unserer Kunden sind relativ offen, die Bauweise der Teile zu verändern «, so Oliver Hofmann. Oftmals lassen sich Kunden bei einem Besuch in Lichtenfels sogar von der Begeisterung für die Additive Fertigung anstecken.

Denn für einen Dienstleister in der additiven Welt sei letztlich der Zugang zum Kunden ausschlaggebend, so Robert Hofmann. »Das eigene technische Know-how ist dabei das Entscheidende«, ergänzt Oliver Hofmann. »Den industriellen 3D-Druck kann man schließlich nicht auf Youtube lernen.«

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