Die Fähigkeit, Flügel zu drucken

Text: Thomas Masuch / Foto: Continuous Composites — 29.05.2019

Auch wenn sich Continuous Composites aus dem Nordwesten der USA etwas unter dem internationalen Radar entwickelt hat, zeichnet CEO Tyler Alvarado Zukunftschancen, die denen der großen amerikanischen AM-Unternehmen in nichts nachstehen. Das 20 Mitarbeiter zählende Unternehmen aus Idaho hat eine additive Technologie entwickelt, mit der sich großformatige Bauteile aus Verbundwerkstoffen 3D-drucken lassen. Flügel für Flugzeuge zum Beispiel.

Dass Continuous Composites im beschaulichen Coeur d’Alene am Fuße der Rocky Mountains ziemlich unbehelligt seine Technologie entwickelt hat, liegt an der laut Alvarado an ihrer »sehr soliden Position im Bereich Patente.« Seit der Gründung im Jahr 2012 stand das geistige Eigentum im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie, so dass der erste Mitarbeiter ein eigener Patentanwalt war. »Wir besitzen die ersten erteilten Patente für den 3D-Druck mit Endlosfasern. Wir haben 13 US-Patente, acht internationale Patente und weitere 250 Konzepte, die wir vorsorglich ab gedeckt haben.«

Damit erklärt sich wohl auch, warum Continuous Composites mit einem überschaubaren Team kontinuierlich seine Technologie weiterentwickelt, anstatt schnell wachsen zu wollen. Derzeit treibt das Unternehmen seine Technologie weiter bis zur Marktreife voran. Die ersten Verkäufe sind für 2020 geplant.

Jüngst hat das Unternehmen 5 Mio. Dollar gesammelt, die in die Entwicklung von Hardund Software sowie Material fließen. Um der laut Alvarado jetzt schon steigenden Nachfrage gerecht zu werden, wird auch das Team vergrößert. »Diese 5 Millionen Dollar ebnen uns für die nächsten Jahre den Weg bis zum nächsten entscheidenden Entwicklungsschritt.« Wichtiger für das Unternehmen als das Venture Capital sei der Aufbau von Kooperationen mit strategischen Partnern, die technologisch einen zusätzlichen Mehrwert schaffen.

Airbus und Boeing schon zu Besuch

Kein Wunder, dass inzwischen auch Vertreter der großen Luftfahrtunternehmen wie Airbus oder Boeing zu Besuch waren. Das Unternehmen arbeitet bereits an einem D.O.D. (Department of Defense) Projekt mit Lockheed Martin. Erste Anwender sieht Alvarado auch in der Formel 1, im Motorsport und in der Windenergie.

Die Anwendungsmöglichkeiten erscheinen unbegrenzt. Durch den an einem Roboterarm montierten 3D-Druckkopf (Effektor) können enorme Größenordnungen erreicht werden. Einen wichtigen Vorteil sieht Alvarado auch in der viel günstigeren Produktion der bisher recht kostenintensiven Verbundmaterialien. »Kostspielige Formen und Autoklaven sowie umfangreiche Handarbeit schaffen heute große Hürden«, erklärt Alvarado. »Unsere CF3D-Technologie ist in der Lage, traditionelle Fertigungsbarrieren zu beseitigen, heute Flügel und morgen Stützstrukturen zu drucken. Das ist extrem flexibel.«