Exakter als die Maurer

Text: Thomas Masuch; Fotos: Kamp C & Jasmien Smets — 10.09.2020

Es sieht aus, als könnte man gleich einziehen, doch zum Verkauf steht es (leider) nicht: Im nordbelgischen Westerlo wurde ein zweistöckiges und 90 Quadratmeter großes Haus 3D-gedruckt, das sowohl funktional als auch ästhetisch überzeugen kann. Zum Einsatz kam dabei Europas größter 3D-Betondrucker, so Kamp C, auf dessen Gelände das Haus steht und auch besichtigt werden kann.

Als regionales Zentrum für Innovation und Nachhaltigkeit in der Bauindustrie verfolgt Kamp C allerdings keine kommerziellen Interessen. »Wir wollen vor allem Aufmerksamkeit für den 3D-Druck als effiziente und nachhaltige Technologie für das Bauen von Häusern erzeugen«, so Emiel Ascione, Project Manager bei Kamp C, im Gespräch mit dem Formnext Magazin.

Das in einem Stück 3D-gedruckte Demo- Haus in der Region Flandern, das als Teil des C3PO-Projekts von der EU gefördert wurde, kann als Wohn- oder als Bürogebäude genutzt werden. Als Niedrigenergiehaus ist es unter anderem mit Fußbodenheizung, einer Fassade aus Solarpanels und einem begrünten Dach ausgestattet.

»Wir haben einige E-Mails bekommen von Leuten, die auch so ein 3D-gedrucktes Haus haben möchten.«

Das Projekt, das Kamp C in Kooperation mit acht Partnern umsetzte, zeigt auch, welches Potenzial additive Fertigung für die Bauindustrie bereithält: Die Wände wurden in gerade einmal drei Wochen »gedruckt«. »Gleichzeitig lässt sich durch einen effizienteren Bauprozess weitere Zeit sparen«, erklärt Ascione: Der 3D-Druck liefere exakt das, was auch digital geplant worden sei. Dadurch seien weitere Arbeitsschritte problemlos möglich, ohne dass Räume nochmals genau vermessen werden müssen. »Außerdem lassen sich auch Leitungen zum Beispiel für Strom, Heizung und Wasser ohne weiteren Aufwand innerhalb der Hohlräume in den Wänden verlegen.« Ein zusätzliches Aufstemmen der Mauern werde damit überflüssig.

Kein Wunder, dass bei Kamp C inzwischen sogar schon Interessenten angefragt haben: »Wir haben einige E-Mails bekommen von Leuten, die auch so ein 3D-gedrucktes Haus haben möchten«, so Ascione. Doch eine Vermarktung sei derzeit noch nicht vorstellbar – technisch sei das zwar möglich, aber es gebe noch rechtliche Hürden zu überwinden. Allerdings kann sich Ascione gut vorstellen, dass in naher Zukunft einzelne Segmente aus dem 3D-Drucker stammen, die dann in Häusern verbaut werden.

Bei Kamp C wird künftig weiter der 3D-Druck von nachhaltigen Häusern erforscht. »Wir werden in unserem Nachfolgeprojekt noch kreativer werden und weitere Partner aus der Industrie mit einbeziehen«, so Ascione. Neben dem vorzeigbaren und bereits ziemlich bekannten Demo-Haus kann der Bauingenieur von einem weiteren Erfolg des Projekts berichten: »Die Studenten, die mit uns an dem Projekt gearbeitet haben, waren vom 3D-Druck für den Bau so angetan, dass sie mit dieser Technologie auch in Zukunft arbeiten wollen.«

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