»Das Entscheidende ist die Beherrschung der Prozesskette«

Interview: Thomas Masuch; Fotos: Trumpf - 27.05.2018

Auch für ein Weltunternehmen wie Trumpf ist Additive Fertigung inzwischen ein bedeutender Unternehmenszweig, der gleichzeitig nichts von seiner Wachstumsdynamik eingebüßt hat. In den kommenden Jahren will der Laserhersteller mit dem Stammsitz im süddeutschen Ditzingen allein mit Additive Manufacturing einen Umsatz von 500 Millionen Euro erwirtschaften. Im Interview mit dem formnext magazin spricht Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger, Chief Technology Officer bei Trumpf, über die weiteren Zukunftspläne und die aktuellen Herausforderungen der Branche.

Herr Leibinger, im Rahmen Ihrer Presseveranstaltung auf der formnext 2017 haben Sie gesagt, dass Additive Manufacturing (AM) ein ambivalentes Thema sei. Können Sie bitte in zwei Sätzen erklären, was Sie damit meinen?

LEIBINGER: Die Entwicklung im Bereich Additive Manufacturing geht einerseits in Richtung Serienproduktion. Kunden etwa aus der Dentaloder Luftfahrtindustrie kaufen Maschinen, um damit zu produzieren. Andererseits ist der Hype rund um das Thema extrem groß. Es ist aber nicht einfach, festzustellen, wieviel davon realer Bedarf ist.


Trumpf beschäftigt sich ja schon recht lange mit Additiver Fertigungstechnologie …

LEIBINGER: …ja, bei Trumpf haben wir bereits seit Mitte der 1990er-Jahre an der Technologie gearbeitet. 2003 haben wir die erste pulverbettbasierte Maschine auf den Markt gebracht. Wir waren in diesem Bereich ein Vorreiter, der Markt war noch nicht wirklich reif. Deshalb haben wir nach drei Jahren den Verkauf dieser Maschine eingestellt und uns zunächst stärker auf das Generieren aus der Düse konzentriert, dem Laserauftragsschweißen. Rückblickend war das eine falsche Entscheidung. Denn die Nachfrage nach robusten, industriereifen LMF-Maschinen im Markt ist in den letzten Jahren stark gewachsen.

"Wir sind Laserhersteller und Maschinenbauer. Daher verstehen und kennen wir die Arbeitsweise und die Bedürfnisse unserer Kunden sehr genau."

500 Millionen Umsatz mit AM

Heute ist Trumpf einer der führenden Maschinenanbieter am Markt. Wie sind die aktuellen Entwicklungen und Ziele?

LEIBINGER: Unsere AM-Anlagen verkaufen sich gut, 2017 haben wir mehr als 100 Maschinen in den Markt gebracht. Hierzu hat sicherlich auch die formnext ihren Teil beigetragen. Unser Ziel ist es, in den nächsten fünf bis sieben Jahren 500 Millionen Euro Umsatz im Bereich der Additiven Fertigung zu erzielen. Dafür arbeiten aktuell mehr als 200 Mitarbeiter in diesem Geschäftsbereich, bis Ende 2018 sollen noch einmal 100 dazukommen. Wir bleiben bei der Entwicklung aber auch realistisch und wissen, dass man Geduld braucht, um Erfolg zu haben.


Im Gegensatz zu den meisten anderen Unternehmen in der AM-Welt ist Trumpf ein Unternehmen mit einer langen Tradition. Ergibt sich daraus ein Wettbewerbsvorteil?

LEIBINGER: Das Entscheidende für den industriellen 3D-Druck, vor allem im Metallbereich, ist die Beherrschung der Prozesskette. Hier sehe ich zwei Vorteile für Trumpf. Erstens: Wir sind Laserhersteller. Und zweitens: Wir sind Maschinenbauer. Wir verstehen und kennen die Arbeitsweise und die Bedürfnisse unserer Kunden sehr genau. Durch unsere starke Weltmarktposition im Maschinenbau verfügen wir ferner über ein schlagkräftiges internationales Servicenetzwerk, etwas, was unsere Kunden von uns erwarten.

Technologisch hat sich Trumpf auf die beiden Additiven Technologien Laser Metal Fusion (LMF) und Laser Metal Deposition (LMD) festgelegt. Warum?

LEIBINGER: LMF eignet sich besonders für geometrisch komplexe Teile, beispielsweise mit Innenkanälen und Hohlräumen. LMD bietet eine höhere Produktivität bei einer etwas geringeren Bauteilqualität, mit dem sich auch hybride Bauteile in großer Abmessung herstellen lassen. Da wir beide Technologien beherrschen, decken wir den Bedarf breitfl ächig ab und können je nach Kundenanforderung das geeignete Verfahren anbieten.

 

Was ist dabei der entscheidende Knowhow- Faktor: Das Pulver, die Maschine, der Prozess oder die Integration?

LEIBINGER: Ich glaube, der Kern ist die Maschine in Verbindung mit der Systemintegration.

 

Wo sehen Sie die Herausforderungen bei der weiteren Entwicklung der Additiven Fertigung?

LEIBINGER: Aktuell haben wir auf dem Markt noch keine fertige Systemlösung vom CAD bis zum fertigen Teil. Man kann sich die Entwicklung gut als Zwiebelmodell vorstellen. In der aktuellen, inneren Schale fi nden wir die Kombination aus Produktions-Hardware und Pulvermanagement. Die nächste Stufe wird die System integration sein.

Herr Leibinger, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

TRUMPF GmbH + Co. KG

Trumpf wurde 1923 als mechanische Werkstätte gegründet und hat sich zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Werkzeugmaschinen, Laser sowie Elektronik für industrielle Anwendungen entwickelt. Im Geschäftsjahr 2016/17 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 12.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3.111 Millionen Euro.

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