»Innovationsgeist und Neugierde«

Interview: Thomas Masuch; Foto: 3D Systems — 30.05.2019

3D Systems ist mit seiner über 30-jährigen Geschichte eines der erfahrensten und gleichzeitig weltweit größten 3D-Druck- Unternehmen. Über viele Jahre hat es den Entwicklungsrhythmus der Branche mitbestimmt. Immer neue Technologien und Anwendungen und ein hohes Innovationstempo in der gesamten Branche sind aber auch für einen Global Player eine Herausforderung. Wir haben mit Scott Turner, Director Advanced R&D bei 3D Systems, darüber gesprochen, wie das Unternehmen bei der Gestaltung neuer Entwicklungen weiterhin eine wichtige Rolle spielen will.

Die 3D-Druck-Industrie ist derzeit wohl die agilste Branche überhaupt. Welche sind die Hauptrichtungen, in die sich die Forschung und Entwicklung von 3D Systems bewegt?

TURNER: 3D Systems verfügt über ein vielfältiges technologisches Portfolio mit Systemen und Produkten, die vom Sintern von Thermoplasten über das Sintern von Metallen bis hin zu Photopolymeren reichen. Wenn es um Innovationen geht, verfolgen wir einen kundenorientierten Ansatz: Wir untersuchen, wie unsere Kunden ihre Anwendungs-Workflows verändern wollen und wie unsere Lösungen dabei helfen können. Innovation ist immer sehr gefragt. Und durch unsere langjährige Erfahrung und Expertise können wir diese Nachfrage bestens befriedigen. Wir schätzen uns auch sehr glücklich, dass unser Gründer und heutiger Chief Technology Officer, Chuck Hull, immer noch Teil des Unternehmens ist. Sein Innovationsgeist und seine Neugierde haben die Erfindung der Stereolithografie beflügelt. Und dieser Geist treibt die Innovation von 3D Systems bis heute voran.

 

3D Systems hat eine der größten Produktreihen der Branche. Ist es möglich, in dieser Breite weiterhin führend zu sein, wenn man sieht, wieviele neue Technologien jedes Jahr vorgestellt werden?

TURNER: Seit 2016 ist Vyomesh Joshi Präsident und Geschäftsführer von 3D Systems. Er führte Best Practices und Strukturen bei 3D-Systems ein, die es uns wirklich ermöglichen, den Markt zu analysieren und festzustellen, wie wir unsere Expertise am besten nutzen können. Es geht nicht nur darum, Marktbedürfnisse zu erfüllen, sondern auch neue Innovationen zu schaffen, die es 3D Systems ermöglichen, sich als Lösungsanbieter zu profilieren. Unser Ziel ist es, unseren Kunden End-to-End-Lösungen einschließlich Materialien, Hardware, Software und Dienstleistungen anzubieten, um Fertigungsabläufe weiter zu optimieren.

3D Systems hat sich aber zu einem Anbieter von End-to-End-Lösungen entwickelt.

Das klingt, als würde sich 3D Systems vom Anbieter von 3D-Druckern und des Ecosystems in Richtung Anwendungen entwickeln …

TURNER: 3D Systems wurde als Anbieter von 3D-Drucktechnologien gegründet, hat sich aber zu einem Anbieter von End-to-End-Lösungen entwickelt. Wir sind an dem Punkt, an dem Kunden unsere Technologien einsetzen und nutzen, um den Bedarf zu decken, aber auch um bessere Produkte auf den Weg zu bringen. Die Bandbreite ist sehr groß – von der Brille bis zum Schuhwerk über Komponenten in Flugzeugen bis zu Komponenten in Autos. Immer mehr Produktionsabläufe werden auf einen additiven Prozess umgestellt, und diese digitale Zukunft sieht wirklich rosig aus.

 

»wiederkehrende Fertigungsprozesse verändern«

Wenn Sie sich entscheiden müssten zwischen kreativen Erfindungen, die neue Produkte schaffen, und routinemäßigeren, die die Kosten in der Automobilindustrie senken – welche würden Sie wählen?

TURNER: Es geht nicht darum, das eine gegen das andere abzuwägen. Additive Lösungen können wiederkehrende Fertigungsprozesse verändern, komplexe Geometrien bearbeiten als auch die Entwicklung von Produkten anstoßen, die mit traditionelle Fertigungstechnologien nicht möglich sind. Ich denke, die Technologie lässt sich am gewinnbringendsten dort einsetzen, wo sie für den Endnutzer den größten Vorteil schafft. Im Moment erleben Material-Innovationen und Materialwissenschaft einen Boom. 3D Systems bedient seit mehr als 30 Jahren verschiedene Branchen. In dieser langen Geschichte waren wir immer in der Lage, die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Mit der Entwicklung neuer Materialeigenschaften können wir für die Anwendungsbedürfnisse unserer Kunden Lösungen schaffen, die bisher nicht verfügbar waren. Dazu gehören unter anderem neue Ansätze, um komplexe Geometrien herzustellen, Leichtbauteile und die Reduzierung der Stückzahl.


Wenn man in neue Märkte vordringen möchte, ist es dann sinnvoller, Technologien selbst zu erfinden, oder in Start-ups zu investieren bzw. diese zu kaufen?

TURNER: Die Wachstumsstrategie von 3D Systems war im Laufe der Jahre immer vielschichtig. Durch unsere eigenen Erfindungen ist ein Teil des Wachstums organisch, aber auch Übernahmen von Unternehmen tragen zum Wachstum bei. Wir legen ebenso Wert auf strategische Partnerschaften, bei denen wir mit führenden Unternehmen in ihren jeweiligen Fachbereichen zusammenarbeiten. Damit ergänzen wir unsere Lösungen. Mit anderen Unternehmen zu kooperieren und Technologien zu entwickeln, indem man die jeweilige Innovationskraft kombiniert – das ist es, was unseren Kunden heute und in Zukunft die besten Lösungen schafft.

Herr Turner, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

3D Systems Corporation

1986 wurde das Unternehmen von Chuck Hull, der die Stereolithografie erfunden hatte, gegründet. Heute beschäftigt 3D Systems mit Hauptsitz in Rock Hill, South Carolina, 2.400 Mitarbeiter und erzielte 2018 einen Umsatz von 687,7 Mio. US-Dollar.