Sehnsucht Mars

Text: Thomas Masuch - 02.09.2018

Kolumne »Schräg gedacht«

Nicht wenige Forscher sehen die Zukunft der Menschheit im All. Auch bei NASA und ESA liegen schon Pläne für die ersten Kolonien auf dem Mars in der Schublade. Und SpaceX-Gründer Elon Musk hat schon recht konkrete Vorstellungen, wie er im Jahre 2024 eine Raumfähre mit bis zu 120 Sitzplätzen auf den Mars feuern will.

Technisch gesehen schreiten die Visionen für die Weltraumkolonisation schnell voran, auch dank der Additiven Fertigung. Wenn alles nach Plan läuft, werden bald Rohstoffe wie Titan auf dem Mond oder auf Asteroiden gewonnen und mittels 3D-Drucker in Bauteile für Raketen und Raumstationen umgewandelt. Mit dem auf Asteroiden und dem Mars vermuteten Wasser ließe sich sogar Treibstoff herstellen.

Noch nicht ganz beantwortet ist allerdings die Frage, wieso man eigentlich auf den Mars ziehen will, wenn man nicht gerade Wissenschaftler ist und im Marsgestein nach Spuren früheren Lebens bohrt. Es ist ja nicht gerade so, dass unsere Erde nichts zu bieten hätte. Allein die einfachen Dinge wie Spaziergänge in Wäldern, im Gebirge oder das Baden im Meer haben ja etwas magisches, ganz zu schweigen von Besuchen traumhafter Orte wie Rom, Paris und New York oder zahlloser idyllischer Kleinstädte, die ihren Zauber erst auf den zweiten Blick offenlegen. Wieso sollte man auf all dies verzichten, um auf dem Mars seine Jahre in einer Art Gewächshaus zu verbringen? Und für die Überfahrt ein Vermögen ausgeben.

Nicht alles im grünen Bereich

Zugegeben, auf unserer Erde ist derzeit leider auch nicht mehr alles (sprichwörtlich) im grünen Bereich: Verschmutzung der Meere, Abholzung der Regenwälder, ein nicht enden wollendes globales Bevölkerungswachstum, (menschengemachter) Klimawandel, Naturkatastrophen, aussterbende Arten. Die Gründe für den Mars werden leider zahlreicher, obwohl sich die Menschen hier auf der Erde nicht aus der Verantwortung stehlen dürfen. Und nun gab es bei uns in Deutschland und in fast ganz Europa von Juni bis August einen Rekordsommer ohne Regen und mit tropischen Nächten am laufenden Band. Die tägliche (Sonnen-)Glut vertrieb sogar die Lust auf das sonst so geliebte Grillen.

Stattdessen konnte man spätabends bei fast 30 Grad in den Himmel schauen und hin und wieder rötlich schimmernd den Mars sehen. Rund 1,5-mal weiter entfernt von der Sonne als unser Planet und deshalb selbst tagsüber nur bis zu 20 Grad kühl. Also vielleicht doch eine Reise wert?