Kein Lockdown für den Humor

von Thomas Masuch — 15.06.2020

An dieser Stelle erwartet Sie normalerweise Ungewöhnliches und Unterhaltsames, mit dem wir einen Teil unserer (AM-)Welt einmal aus einem ganz anderen Winkel betrachten – manchmal auch nicht ganz ernst gemeint und mit einem Augenzwinkern. So ging es in der ersten Kolumne im September 2016 um ein fahrendes, 3D-gedrucktes Mobiltelefon. Leider sind solche für humoristisch-ironische Betrachtungen dankbare Blickwinkel zurzeit seltener geworden. Das liegt auch daran, dass die Entwicklungen auf dem Feld der additiven Fertigung immer zielgerichteter im industriellen Umfeld wachsen und immer professionellere Anforderungen weniger sinnvolle Anwendungen kaum noch sprießen lassen.

Noch weiter ausgetrocknet wurde der Acker für humoristisch-ironische Betrachtungen durch die Coronakrise. Die Nachrichtenlage der vergangenen Wochen war von ernsten Themen wie Infektionszahlen, Beatmungsgeräten und Gesichts-Schutzschilden bestimmt. Trotzdem gab es hin und wieder auch ungewöhnliches Nachrichtenmaterial: In den Kanälen von Venedig waren im klaren Wasser wieder Fische zu sehen und im indischen Bundesstaat Punjab war die Luft so sauber, dass die Bewohner das erste Mal seit 30 Jahren wieder den 200 Kilometer entfernten Himalaya bewundern konnten. Während in Panama und Peru Männer und Frauen nur noch an unterschiedlichen Tagen auf die Straße dürfen, fand in Deutschland eine Studie heraus, dass es vor allem junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren waren, die mit ihren Hamsterkäufen dafür sorgten, dass Klopapier, Seife und Nudeln zeitweise ausverkauft waren. Und in Italien wurde neben zahlreichen Kriminellen auch ein Camorra-Boss aus dem Gefängnis entlassen, weil man dem betagten Herrn mit dem Spitznamen »Bin Laden« nicht die Gefahr einer Infektion zumuten wollte.

Während die saubere Natur sehr erfreulich ist, kann man über manch anderes eher den Kopf schütteln. Doch darf man solche »Shake News« durch die humoristische Brille betrachten – wenn bei jeder Anekdote zum Thema Corona irgendwie die Gefahr von Leib und Leben mitschwingt? Ich denke, ja, aber mit einem notwendigen Maß an Respekt. Denn Krisen, darunter deutlich gravierendere, hat die Menschheit schon viele überstanden – und der Humor, auch wenn er in solchen Zeiten etwas schwärzer wird, ist zum Glück nie nachhaltig infiziert worden.