»Populärer in den USA«

von Thomas Masuch - 29.12.2019

Die additive Fertigung wird für eine Vielzahl von Investoren immer interessanter. Aus diesem Grund fand in Frankfurt im November 2019 das von Formnext unterstützte »Wohlers Associates Investor Dinner« erstmals statt. Wir haben mit Terry Wohlers über die Investitionstrends in der additiven Fertigung und die Unterschiede zwischen den USA und Europa gesprochen.

 

 

Wie sehen Investoren in der AM-Welt aus – sind das Banken, Beteiligungsgesellschaften, Industrieunternehmen oder andere? Und gibt es Unterschiede zwischen den USA und Europa?

WOHLERS: Das Spektrum reicht von institutionellen Investoren und Einzelpersonen bis hin zu Private Equity und Venture Capital. Mein Gefühl ist, dass Investitionskapital in den USA populärer und bewertbarer ist als in Europa. Wenn ein Unternehmen in den USA eine Finanzierung zur Unterstützung einer guten Idee sucht, muss es nicht lange und intensiv suchen, um einen Investor zu finden oder von ihm gefunden zu werden. Dies setzt voraus, dass das Unternehmen etwas Werthaltiges zu bieten hat. In Teilen Europas ist es dagegen nicht so einfach, Investoren zu finden.

 

Hat sich mit der Entwicklung der Branche auch der Fokus der Investoren verändert?

WOHLERS: Überraschend viele Investoren, die sich für AM interessieren, verfügen über fundierte Kenntnisse des Themas. Sie sind vielleicht nicht auf dem neuesten Stand der Trends und Entwicklungen, aber sie wissen, welche Fragen sie stellen müssen. Dies war vor 15 Jahren nicht der Fall. Heute verlagern viele Investoren ihren Fokus von AM-Systemen auf AM-Anwendungen. Ein Beispiel ist der SmileDirectClub, der im vergangenen Jahr mit 380 Millionen Dollar die größte AM-Investition war.

 

drei größere Investorengruppen

Wo sehen Sie die wichtigsten Möglichkeiten von Investoren? Start-ups, KMUs oder andere?

WOHLERS: Es gibt drei größere Investorengruppen, die sich mit den Möglichkeiten der Additiven Fertigung beschäftigen. Eine Gruppe investiert überwiegend in börsennotierte Unternehmen. Das sind meist institutionelle Investoren wie Banken, Hedgefonds und Investmentfonds. Die zweite Gruppe besteht hauptsächlich aus Venture Capital und Private Equity. Diese Investoren erhalten als Gegenleistung für eine Investition in der Regel eine Beteiligung an einem privat gehaltenen Unternehmen. Eine dritte Gruppe, die man als Seed- und Angel-Investoren beschreiben kann, beteiligen sich an kleinen Start-ups. Auch Einzelpersonen sind als Investoren aktiv, zum Beispiel bei der Finanzierung von Start-ups oder dem Kauf von Aktien börsennotierter Unternehmen. Einige der interessantesten und beliebtesten Investitionen der letzten Jahre betrafen Anwendungen, Software und Dienstleistungen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in absehbarer Zeit fortsetzt.

 

Stimmen sie zu, dass die Investitionskultur in den USA ein großer Vorteil für dortige Start-ups aus dem AM-Bereich ist?

WOHLERS: Man kann davon ausgehen, dass Investitionsdollar in den USA leichter zu bekommen sind als in vielen Ländern Europas, einschließlich Deutschland. Die USA haben seit sehr langer Zeit eine Kultur von High-Tech-Startup-Unternehmen, wobei das Silicon Valley das beste Beispiel ist. Im Laufe der Zeit hat es sich über die gesamte USA verbreitet, wenn auch nicht in gleichem Maße in jedem Bundesstaat. Wenn jemand in den USA eine gute Idee hat, sie entwickelt hat und einen oder mehrere gute Mitstreiter hat, steht oft Geld zur Verfügung, um das Projekt zu unterstützen.

 

Herr Wohlers, vielen Dank für das interessante Interview.