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Die Herausforderung der Industrialisierung

von Thomas Masuch — 30.01.2020

Auf rund 190 industriellen 3D-Druckern fertigt Materialise an seinen Standorten in Belgien, Polen Tschechien und Deutschland Tausende Prototypen und Serienteile im Monat. Während das Geschäft mit Prototypen seit Jahren eine verlässliche Basis ist, wächst das Dienstleistungsgeschäft vor allem durch die steigende Nachfrage nach Serienteilen, so Jurgen Laudus, der bei Materialise den Unternehmensbereich Manufacturing leitet.

Schließlich ist Materialise ist in der AM-Welt nicht nur einer der weltweit führenden Software-Anbieter, sondern auch einer der größten Dienstleister – sowohl für Kunststoff- als auch für Metallteile. Das 2.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmen mit Hauptsitz im belgischen Leuven ist auch bei der Industrialisierung additiver Fertigung einer der Vorreiter – und muss sich hierbei auch mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die diese Entwicklungsstufe des industriellen 3D-Druck mit sich bringt.

Dabei spürt das belgische Unternehmen, dass globale wirtschaftliche Entwicklungen inzwischen auch in der Additiven Fertigung ankommen. So habe laut Laudus die schwierige Lage der in der Automobilindustrie auch Einfluss auf der die Nachfrage nach Prototypen. »Es kommen weniger neue Produkte auf den Markt, und das setzt die Produktentwicklung unter Druck. Unternehmen kürzen ihre Kosten und sind vorsichtig bei Investitionen.« Und weil sich Automobilunternehmen auf die Neuentwicklung oder Verbesserung von Motoren konzentriere müssen, schrumpfen die Budgets für das Interior Design.

Auf der anderen Seite bringt die Entwicklung laut Laudus auch Chancen für die Serienfertigung. Denn durch den Kostendruck würden Automobilhersteller versuchen, mit möglichst geringem Aufwand in die Serie zu gehen. »Die Additive Fertigung bietet die Chance, Serienteile zu produzieren ohne zwangläufig in teure Formen investieren zu müssen. Und wenn man sieht, dass ein Produkt gut ankommt oder sich gut verkauft, kann man es weiter 3D-drucken oder zu einem späteren Zeitpunkt immer noch in Formen investieren. Aber man vermeidet das Risiko großer Investitionen.«

Eine Frage des Preises

In seinem rund 450 Mitarbeiter zählenden Unternehmensbereich »Manufacturing« verfolgt Laudus eine zweigleisige Strategie: Einerseits wird die Effizienz über den gesamten Produktionsprozess inklusive der Nachbearbeitung erhöht. Damit reagiert Materialise auf den teilweise immer härter werdenden Wettbewerb: »Bei einfachen Teilen braucht man nicht viel Service, dann geht es nur über den Preis.« Die Herausforderung für einen Dienstleister sei dann, so effizient und so schlank wie möglich zu sein. »Am erfolgreichsten wird der Anbieter sein, der am meisten Teile auf einen 3D-Drucker packt, am schnellsten fertigt und die Automation in der Nachbearbeitung am stärksten vorantreibt.«

Auf der anderen Seite konzentriert sich Materialise auf anspruchsvolle Produkte zum Beispiel in den Bereichen Medizin und Aerospace, bei denen zertifizierte Produktionsumgebungen notwendig sind, und in denen neben dem Preis zahlreise weitere Faktoren den Ausschlag geben: »In erster Linie geht es um Qualität, aber auch um Lauf- und Lieferzeiten und den Service, den man im Verhältnis zum Preis bietet.«

Und hier verfügt Materialise durch seine 9100 Zertifizierung und seine Qualifizierung durch Airbus einen echten Mehrwert, den Jurgen Laudus nutzen möchten, um im Aerospace-Markt noch stärker präsent zu sein. »Andere Service-Dienstleister können nur schwer mit uns konkurrieren, wenn sie nicht die gleichen Qualifizierungen haben. Schließlich waren wir das erste Unternehmen, das 3D-gedruckte Bauteile für den Airbus A350 liefern konnte.«

Auch im Bereich individualisierter Produkte zum Beispiel im Medizin Bereich kann Materialise sein Know-how in den Bereich Design&Engineering und Produktion ausspielen. »Hier benötigt man Wissen, wie man solche porösen Strukturen schafft – das kann man nicht einfach kopieren.« Neben der Medizin, der über Jahrzehnte gewachsenen Unternehmenssäule, haben sich aber auch weitere Produktbereiche entwickelt – dazu zählen zum Beispiel Schuhsolen oder ein individueller Skischuh, den Materialise bei Bedarf für den Schweizer Hersteller Tailored Fits fertigt.