Das Ende der Silikonabdrücke

Zahnersatz konventionell herzustellen, ist aufwendig und dauert lange. 3D-Druck und Digitalisierung ermöglichen nicht nur eine bessere Qualität, sondern sparen auch Zeit und Kosten.

11.03.2020 — Fast jeder von uns sehnt sich nach dem perfekten Lächeln oder möchte kraftvoll in einen Apfel beißen. Sind die Zähne nicht in Ordnung, muss Ersatz her. Den Anfang macht dabei der Zahnarzt. Er drückt dem Patienten zwei mit Silikon gefüllte Abformlöffel auf den Ober- und Unterkiefer. Diese Abdrücke sendet er an ein Zahnlabor, wo Zahntechniker ein Gipsmodell daraus herstellen.

Mit dieser Vorlage können sie jetzt für jeden Patienten seinen persönlichen Zahnersatz anfertigen. Erst erstellen sie eine Grundform im Druckguss, anschließend ist Nacharbeit angesagt. Den letzten Feinschliff übernimmt der Zahnarzt im Mund des Patienten. »Das Löffel-Handling, das Aushärten, der Versand und das Abformen nehmen viel Zeit in Anspruch«, sagt Hindrik Dehnbostel, der Inhaber und Gründer von Cadspeed aus Nienhagen bei Hannover. Das Unternehmen mit 38 Mitarbeitern sitzt in Nienhagen bei Hannover und beliefert Dentallabore, Zahnärzte und Kieferorthopäden mit Zahnprodukten. Mit der Digitalisierung und dem 3D-Druck gehe es schneller, ist Dehnbostel überzeugt. Bei Cadspeed steht seit November 2017 der 3D-Drucker TruPrint 1000 von Trumpf. »Wir produzieren damit fünf Tage die Woche im Dreischichtbetrieb«, sagt Dehnbostel.

Komplexe Geometrien auf engstem Raum

Gegenüber dem Fräsen oder Giesen bietet der 3D-Druck viele Vorteile. Einer der wichtigsten: Er spart Platz. So ist ein Zahn von Natur aus nicht groß. Bei der Zahnpräparation muss der Zahnarzt den Nerv des Zahnes, die sogenannte Pulpa, schützen. Dafür lässt er etwas vom Zahnbein, dem Dentin, um den Nerv herum stehen. Das sind allerdings schlechte Voraussetzungen für den Zahntechniker. Dieser benötigt einen möglichst runden »Restzahn«, um den Zahnersatz passgenau herzustellen. Eckige Konturen, wie er sie nach der Vorarbeit des Zahntechnikers oft vorfindet, kann seine Fräsmaschine nicht abbilden. Ein 3D-Drucker kennt solche Probleme nicht. Er kann auf engstem Raum genau die Geometrie aufbauen, die der Patient benötigt. »Außerdem brechen die Werkzeuge nicht ab, wie es zum Beispiel beim Fräsen der Fall sein kann«, sagt Dehnbostel, der selbst Zahntechnikermeister ist.

Außerdem verbraucht der Zahntechniker beim Fräsen oder Giesen viel Material. »Manchmal haben wir über 50 Prozent Ausschuss«, sagt Dehnbostel. Ein 3D-Drucker verwendet nur so viel Metallpulver, wie es das Bauteil erfordert. Überschüssiges Pulver kann der Zahntechniker am Ende des Druckvorgangs wiederverwenden. Das spart Geld und schont die Umwelt. Außerdem ist der 3D-Druck zeitsparender. Wohingegen ein Zahntechniker es kaum schafft, eine Zahneinheit in weniger als 30 Minuten herzustellen, schafft ein 3D-Drucker bis zu 70 Teile pro Durchlauf in zwei bis drei Stunden. Pro Zahneinheit sind das weniger als drei Minuten. »Wenn wir ausgelastet sind, ist 3D-Druck deutlich schneller«, sagt Dehnbostel.

Digitale Datensätze anstatt Gipsmodelle

Nicht nur für die Fertigung bringt der 3D-Druck Vorteile, auch die Vorarbeit geht schneller. Anstelle der Gipsmodelle können Zahntechniker mit digitalen Datensätzen arbeiten. Hierfür muss der Zahnarzt das Gebiss des Patienten mit einem sogenannten Intra-Oral-Scanner scannen. In Echtzeit generiert die Software mit den Aufnahmen ein 3D-Modell des Gebisses. Dieses kann der Zahnarzt direkt an das Zahnlabor weiterleiten. »Wir brauchen keine Silikonabdrücke und Gipsmodelle mehr. Auch der Versand fällt weg«, sagt Dehnbostel.

Obwohl der 3D-Druck für die Zahntechnik viele Vorteile bringt, setzt er sich nur langsam durch. »Viele Dentallabore haben Angst, dass dadurch ihre Arbeit überflüssig wird. Dabei sind die neuen Technologien ein Segen für die Branche«, sagt Dehnbostel. Der Cadspeed Chef ist sich sicher, dass die Unternehmen langfristig nicht um den 3D-Druck herumkommen werden. »Irgendwann entscheidet der Patient, wie sein Zahnersatz gefertigt werden soll. Die Leute wachsen immer mehr mit der Digitalisierung auf und wissen, dass das Scannen einfach genauer und angenehmer ist«, sagt Dehnbostel.

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