So verzaubert AM den Milchkaffee

Hausgerätehersteller Miele bietet 3D-Druck-Vorlagen für Zubehör und freut sich über positive Resonanz

22.06.2020 — Was für einige Tüftler der AM-Szene schon länger realisierbar ist, hat der Hausgerätehersteller Miele seit Mai 2020 auch für die »breite Masse« (die über einen FDM-Drucker verfügt) möglich gemacht: Miele bietet Kunden mit seinem Projekt 3D4U eine Serie von 3D-druckbarem Zubehör an und ist damit laut eigenen Angaben das weltweit erste Unternehmen seiner Branche. Datensätze für zehn Objekte wie Küchenhelfer, Staubsauger-Zubehör und Nützliches für Heimwerker stehen auf der Plattform »Thingiverse« bereit.

Rund einen Monat nach der ersten Onlinestellung zeigt sich David Buhl, 3D4U Projektleiter im Bielefelder Miele-Werk, auf Anfrage des Formnext Magazins mit der Zwischenbilanz zufrieden: »Die bisherige Resonanz ist äußerst positiv und zeigt, dass das Projekt von unseren Kunden und der 3D-Druck-Community sehr gut angenommen wird. Die aktuell beliebtesten 3D4U-Modelle sind der Kaffee-Clip und der Bohrlochabsauger. Beide haben in den ersten vier Wochen bereits mehr als 2.000 Downloads erzielt.«

Gleichzeitig erhält Miele über die zu Makerbot gehörenden Plattform »Thingiverse« ein direktes Feedback von den Usern und kann Konstruktionsänderungen umsetzen, prüfen und onlinestellen. »So gab es bei einem Bauteil vereinzelte Rückmeldungen zu Fehldrucken, die unter ungünstigen Druckbedingungen entstanden sind. Um einen erfolgreichen Druck für eine noch größere Anzahl von Usern zu ermöglichen, haben wir innerhalb kürzester Zeit eine optimierte Version des Bauteils veröffentlicht«, so Buhl.

Küchenhelfer und Nützliches für Heimwerker

Mit 3D4U bietet Miele derzeit zehn Objekte in den drei Rubriken „»Küchenhelfer«, »Staubsauger« und »Heimwerker« an. Darunter zum Beispiel einen Bohrlochabsauger: Am Griffrohr montiert, saugt sich dieses Zubehör an der Wand fest und sorgt so dafür, dass beide Hände zum Arbeiten mit der Bohrmaschine frei sind.

Auch für die Küche bietet 3D4U hilfreiches Zubehör zum Selberdrucken: zum Beispiel einen Kaffee-Clip, mit dem sich Verpackungen nach dem Öffnen wieder verschließen und Inhalte über einen Drehverschluss dosieren lassen; oder einen Dekor-Dosierer, der z.B. ein Motiv auf den Milchkaffee zaubern kann. Das 3D4U-Projekt soll zudem noch in diesem Jahr erweitert werden.

Zu den AM-Designs liefert Miele auch eine Beschreibung der empfohlenen Druck-Parameter für FDM-Drucker (bzw. FLM-Drucker). Da einige der Objekte auch in der Küche zum Einsatz kommen und Kontakt zu Lebensmitteln haben können, weist Miele darauf hin, dass dafür nur die dafür national zugelassenen Materialen zu verwenden sind. In der Europäischen Union müssen diese mit den EU-Verordnungen (EG) Nr. 1935/2004 und Nr. 10/2011 konform sein, für den amerikanischen Markt gilt zum Beispiel die Verordnung 21 CFR.

Auch 3D-gedruckte Ersatzteile im Test

Neben den Zubehörteilen hat Miele auch Ersatzteile im Blick. »Konkret testen wir zurzeit auch, ob es möglich ist, bestimmte Ersatzteile als Druckvariante anzubieten«, berichtet Buhl, der aber auch einschränkend hinzufügt, dass eine große Anzahl dieser Teile in der Regel über mechanische, elektrische oder optische Funktionen verfügen, »die sich in der gewünschten Qualität heute noch nicht im 3D-Druck umsetzen lassen.«

Weitere Informationen:

Über das Unternehmen:

  • Miele ist nach eignen Angaben der weltweit führende Anbieter von Premium-Hausgeräten für die Bereiche Kochen, Backen, Dampfgaren, Kühlen/Gefrieren, Kaffeezubereitung, Geschirrspülen, Wäsche- und Bodenpflege. Das 1899 gegründete Unternehmen unterhält acht Produktionsstandorte in Deutschland sowie je ein Werk in Österreich, Tschechien, China, Rumänien und Polen. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2018/19 rund 4,16 Milliarden Euro (Auslandsanteil rund 71 Prozent). In fast 100 Ländern ist Miele mit eigenen Vertriebsgesellschaften oder über Importeure vertreten. Weltweit beschäftigt der familiengeführte Konzern etwa 20.500 Mitarbeiter, 11.050 davon in Deutschland.