Deutlich mehr als reine Finanzierung

Der Main Incubator erörtert in einem Forschungspapier die Auswirkungen und Chancen von AM für die Bankenwelt

von Thomas Masuch — 03.11.2020

Die Finanzwelt hat seit Jahren die additive Fertigung aktiv im Fokus. Investitionen in Start-ups, millionenschwere Übernahmen und Börsengänge sind dabei lohnenswerte Geschäfte. Dass die Welt des 3D-Drucks für die Finanzbranche aber deutlich mehr bedeuten kann, zeigt das Forschungspapier »Gedruckte Disruption: Additive Fertigung und die Finanzdienstleistungen«, das von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Commerzbank Gruppe, dem Main Incubator in Kooperation mit ACAM (Aachen Centre for Additive Manufacturing) und der Kanzlei SKW Schwarz erstellt wurde.

»Sowohl die Finanzwelt als auch die Welt der Fertigung verändern sich gerade tiefgreifend. Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten haben wir uns gefragt, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Aktivitäten einer Bank haben können«, sagt Dirk Plewnia, Technologieexperte beim Main Incubator und Co-Autor des Forschungspapiers. Unter anderem können Veränderungen in den Lieferketten auch Auswirkungen auf die Bewertung von Risiken haben oder neue Abrechnungsmodelle erfordern, zum Beispiel bei neuen Geschäftsmodellen wie Shared Factories. »Eine Bank kann schließlich nicht nur mit Finanzierung unterstützen«, erklärt Dr. Solveig Köbernick, Research Editor beim Main Incubator, die das Papier konzipiert und mit verfasst hat. Weitere Bereiche, in denen auch das Know-how eines Finanzinstituts zukünftig zum Tragen kommen können, seien zum Beispiel die Themenfelder digitale Identitäten oder ein sicherer Datenaustausch, basierend auf sicheren Netzwerktechnologien sowie Blockchain mit IoT.

Digitale Identitäten und sichere Zugriffsrechte

»Gerade in der additiven Fertigung können digitale Identitäten und sichere Zugriffsrechte künftig eine wichtige Rolle spielen«, so Köbernick. Das betreffe nicht nur Menschen und Organisationen, sondern auch Maschinen, die sich vernetzen, sogar Verträge miteinander abschließen und Zahlungen auslösen können. »Banken können mit ihrem Knowhow rund um Datensicherheit hier eine wichtige Rolle spielen und ein verlässlicher Partner sein.« Und mit dem Projekt Lissi zum Digitalen Identitätenmanagement hat der Main Incubator hierzu bereits eine Lösung entwickelt, die 2020 mit dem Digital Banking Award des Handelsblatts ausgezeichnet wurde und vom BMWi gefördert wird.

Ein weiterer Einsatz neuer Lösungen aus der Bankwelt seien darüber hinaus auch dort vorstellbar, wo die Produktion durch Digitalisierung und additive Fertigung immer transparenter wird. »Da die Bedeutung des Faktors Nachhaltigkeit in der gesamten Produktion immer weiter zunimmt, wird es gleichzeitig immer wichtiger, diese Nachhaltigkeit vom Grundmaterial bis zum Produkt im Regal nachvollziehbar zu machen«, so Plewnia. Auch für eine Bank als Finanzierungspartner spiele das eine immer stärkere Rolle.

Um solche Finanzmodelle rund um digitale Identitäten und Abrechnungen aus der additiven Fertigung weiter auszubauen, haben sich Köbernick und Plewnia bereits mit einigen Herstellern von AM-Anlagen ausgetauscht. Künftig wollen sie den Kontakt mit der Branche weiter intensivieren, »um gemeinsam zu erarbeiten, wie sich z.B. die AM-Welt sicherer machen lässt, um darauf gemeinsam Lösungen zu entwickeln.«

Main Incubator:

  • Der Main Incubator mit Sitz in Frankfurt am Main untersucht als Forschungs- und Entwicklungseinheit des Commerzbank Konzerns wirtschafts- und gesellschaftsrelevante Zukunftstechnologien und entwickelt darauf nachhaltige Lösungen für die Finanzdienstleistungsbranche und die Industrie. Gleichzeitig investiert er in Tech-Startups mit innovativen Bankinglösungen. Nach eigenen Angaben ist die 20 Mitarbeiter zählende Tochter der Commerzbank AG die einzige Forschungs- und Entwicklungsabteilung einer Bank in Deutschland.
  • main-incubator.com/papers
  • lissi.id