Echte Veränderungen statt Greenwashing

Text: Thomas Masuch; Fotos: Materialise — 02.12.2020

Recyceltes Pulver, E-Commerce und Prozessoptimierung: Materialise stellt bei seinen Innovationen das Thema Nachhaltigkeit in den Vordergrund.

Wie ernst es Materialise mit dem Thema Nachhaltigkeit meint, zeigt das Unternehmen unter anderem mit der Innovation Bluesint PA12: Mit diesem eigens entwickeltem SLA-Prozess kann Pulver zu 100 Prozent recycelt werden. Trotzdem entstehen laut laut Materialise Bauteile mit gleichen mechanischen Eigenschaften. Den neuen prozess hat Materialise jetzt in seiner Online-Veranstaltungsreihe Think-in vorgestellt. Gründer und CEO Fried Vancraen unterstrich dabei, dass es bei den zahlreichen Bemühungen seines Unternehmens darum geht, »Greenwashing zu vermeiden und echte Veränderungen zu bewirken«. Außerdem präsentierte Materialise den Materialise Process Tuner, mit dem die Prozessabstimmung beschleunigt werden kann, sowie Magics Storefront, eine cloud-basierte E-Commerce-Lösung für interne und externe Service-Büros.

Vancraen stellte auch die Ergebnisse eine Studie vor, die in Kooperation mit BASF angefertigt wurde und die den ökologischen Fußabdruck des 3D-Drucks von Kunststoffbauteilen (in dem Fall Schuhsohlen) untersucht hat. Die Studie vergleicht traditionelle Fertigung mit verschiedenen 3D-Druck-Verfahren und kommt zu einer sehr differenzierten Aussage: Ob 3D-Druck wirklich nachhaltiger und ressourcenschonender als herkömmliche Fertigungsverfahren ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab: vor allem von der Stückzahl und der Größe der Bauteile, aber auch vom Material und von der Quelle der eingesetzten Energie. Bei der Massenproduktion (Stückzahl 1.000.000) war das erste Ergebnis recht ernüchternd: Die traditionelle Fertigung schnitt hier am nachhaltigsten ab, so dass Vancraen konstatierte, dass 3D-Druck unter Umständen »eine dreckige Technologie« sein könne. Der »Tippingpoint« liege dabei etwa bei einer Stückzahl von 1000 Teilen und steigt an, je kleiner die Bauteile werden.

Diesen Punkt will Materialise mit Bluesint PA12 deutlich in Richtung hoher Stückzahlen verschieben. Das Potential dafür ist groß: Beim selektiven Lasersintern (SLS) bleibt bis zu 50 Prozent des Pulvers ungenutzt. Die anfallenden Pulverreste lassen sich bisher nur sehr begrenzt wiederverwerten und werden überwiegend entsorgt, so Materialise. Außerdem führt der 3D-Druck mit ausschließlich gebrauchtem Pulver bisher zu problematischen Oberflächen, sodass die so gefertigten Bauteile für die meisten Anwendungen ungeeignet sind.

»Bluesint PA12 ist ein wichtiger Schritt, um den 3D-Druck nachhaltiger zu gestalten. Und es ist ein Beispiel dafür, wie wir unseren Kunden die Möglichkeit geben, sich für Nachhaltigkeit zu entscheiden,« sagt Jurgen Laudus, VP und General Manager von Materialise Manufacturing. Ab 2021 will Materialise mehrere Lasersinter-Maschinen mit Bluesint PA12 betreiben. Allein in der Einstiegsphase möchte das Unternehmen mehr als fünf Tonnen Material wiederverwenden.

Materialise Process Tuner: Prozessabstimmung beschleunigen

Weil Unternehmen, die ihre 3D-Druck-Prozesse skalieren, mit zunehmender Komplexität und größerer Variabilität bei den gedruckten Teilen konfrontiert sind, hat das belgische Unternehmen den Materialise-Process-Tuner angekündigt: eine Online-Plattform, mit deren Hilfe sich die für die industrielle additive Serienfertigung nötige Prozessabstimmung beschleunigen lässt. Der Materialise-Process-Tuner ermöglicht es, die Anzahl der physischen Testdrucke drastisch zu reduzieren, um die optimalen Druckeinstellungen zu finden. Damit lassen sich laut Materialise Kosten und Abfall reduzieren. »In unseren eigenen 3D-Druck-Werken konnten wir die Kosten pro optimiertem Parametersatz um 50 Prozent senken«, so Stefaan Motte, VP und General Manager von Materialise Software. Der Materialise-Process-Tuner wird voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021 verfügbar sein.

Magics Storefront verbindet 3D-Druck-Fertiger und deren Kunden

In die neue E-Commerce- und CRM-Lösung Magics Storefront sind 23 Jahre Erfahrung im Bereich Online-Services für 3D-Druck eingeflossen. Schließlich betreibt Materialise einen der weltweit größten Online-Shops für 3D-Druck. Die neue cloud-basierte E-Commerce-Lösung automatisiert Eingabe- und Verkaufsprozesse der 3D-Druck-Werke und richtet sich sowohl an interne als auch externe Servicebüros. Sie unterstützt automatische und manuelle Preisberechnung und Angebotserstellung, AM-Datenaufbereitung, Auftragsverwaltung sowie eine Integration mit Zahlungs- und Versanddienstleistern. Die Markteinführung für Magics Storefront wird für das zweite Quartal 2021 erwartet.

Materialise Think-In-Veranstaltungsreihe: