Mehr als nur ein Fahrrad

Text: Thomas Masuch; Fotos: Paul+Murín Creative - 27.05.2018

Paul+Murín Creative entwickelt und fertigt 3D-gedrucktes e-Bike

Für die slowakischen Designer von Paul+Murín Creative war es zuerst ein Traum. Dieser ließ sich später mithilfe des 3D-Drucks verwirklichen: Ein Enduro-Fahrrad oder e-Bike, das sie ohne Rücksicht auf Vorgaben hinsichtlich der Fertigung oder der Fahrradproduzenten gestalten konnten.

Paul+Murín Creative entwirft seit mehr als 25 Jahren Fahrräder, hauptsächlich für den slowakischen Hersteller Kellys Bikes. Vor einigen Jahren entstand die Idee, ein ganz besonderes Fahrrad zu entwerfen.

"Zugegeben, das Fahrrad ist nicht gerade günstig, aber es ist eben mehr als ein Fahrrad – etwas ganz Spezielles"

„Damit die Ideen nicht nur Zeichnungen oder digitale Modelle blieben, sollte das E-Bike auch gefertigt werden“, so Jirí Manák von Paul+Murín Creative im Gespräch mit dem formnext-magazin. Die Umsetzung sei nur mit additiver Fertigung realisierbar gewesen, denn nur so ließ sich ohne große Investitionen in konventionelle Arbeitsvorbereitungen ein individuell optimiertes Bike herstellen.

Herausforderung in der Entwicklung des 3D-gedruckten E-Bike wurde mit dem Namen „Kinazo ENDURO e1“ waren zum Beispiel die Integration der Batterie in den Rahmen oder die recht kleinen Bauräume der Metall-Drucker. So musste der erste Rahmen noch aus elf gedruckten Teilen zusammengeschweißt werden.

Unterstützung durch Volkswagen

Als große Hilfe erwies sich, dass Volkswagen Slovakia in Stupava bei Bratislava für seine Fertigung von Werkzeugen eine Concept Laser X LINE 2000R beschaffte, eine der weltweit größten Metall-3D-Druck-Anlagen. „Als wir unser Projekt bei Volkswagen Slovakia vorstellten, hatten wir das Glück, dass die Mitarbeiter dort absolut begeistert waren“, berichtet Manák. Durch die Unterstützung von Volkswagen Slovakia konnten die Designer den Rahmen in einem Stück fertigen.

Paul+Murín Creative beschäftigt zehn Mitarbeiter und ist vor allem in den Bereichen Verpackungs-, Grafik- und Produktdesign aktiv. Mit dem „Kinazo ENDURO e1“ will das slowakische Unternehmen zwar nicht unbedingt in Serie gehen, „aber wir sind nun in der Lage, weitere Modelle individuell anzupassen und zu produzieren“, so Jirí Manák.

Produktionskosten sollen in Zukunft sinken

Der rund vier Kilogramm schwere Rahmen sorgt bei dem E-Bike derzeit für Produktionskosten von rund 20.000 Euro. „Zugegeben, das Fahrrad ist nicht gerade günstig, aber es ist eben mehr als ein Fahrrad – etwas ganz Spezielles“, so Jirí Manák. Aktuell sei das e-Bike etwas für „echte Technologie-Enthusiaten“, die sich eine solche Rarität auch leisten können.

Für die Zukunft rechnet Manák aber mit fallenden Produktionskosten. „Zusammen mit Industrie 4.0 wird die Additive Fertigung mehr Flexibilität in die Produktion bringen, und so den Kunden und Anwendern mehr Freude mit individualisierten Produkten bringen.“

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