“Überleg‘ nicht zweimal, Unternehmen und Menschen aus anderen Teilen der Welt zu kontaktieren“

Text: Thomas Masuch; Fotos: ZYYX - 27.05.2018

Schon auf der formnext 2017 hatte das schwedische Start-up Magicfirm Europe damit aufhorchen lassen, dass es zusammen mit dem chinesischen Partner Shenzhen Esun Industrial weltweit industrielle Drucker und Filamente vertreiben will. Nun geht das zwölf Mitarbeiter zählende Unternehmen einen Schritt weiter und kündigt die Produktion eines Metall-3D-Druckers für unter 10.000 Euro an - inklusive Sintering und Binder-Entfernung. Wir haben mit Mats Moosberg, Entwickler des ZYYX-Metall-Druckers und Geschäftsführer von Magicfirm Europe, exklusiv über die aktuellen Entwicklungen und die weiteren Pläne gesprochen.

Mats, wie ist der aktuelle Stand bei der Entwicklung bei der Entwicklung des neuen Metall-Druckers? Und übrigens, gibt es schon einen Namen dafür?

MOOSBERG: Wir entwickeln gerade den neuen Prototypen mit einem Bauraum von 260x230x200mm und einer Druckgenauigkeit von 35um. Die Geschwindigkeit ist rund drei bis fünf Mal schneller als ein FDM-Prozess. Und wir haben einen Namen für unseren Prozess gefunden: LEAP „Layered Encased Additive Process“.

 

Wie unterscheidet sich der ZYYX-Drucker von anderen Technologien und Anwendungen? Und wo liegen die Vorteile, speziell im Vergleich zur Binder-Jetting-Technologie?

MOOSBERG: Wir sehen unsere Metall-Technologie zuerst als Werkzeug für das Prototyping, vor allem für die Einzelfertigung von Werkzeugen, Vorrichtungen und Halterungen, allerdings nicht wirklich für die Produktion hoher Stückzahlen. Im Vergleich zum Binder-Jetting ist unsere Technologie viel einfacher, und der Nutzer kommt nur mit gebundenem Metallpulver in Kontakt. Eine grobe Ähnlichkeit zum Binder Jetting gibt es bei den Prozessschritten wie Entbindern und Sintern. Allerdings ist unser Binder einfacher zu sintern und stellt dadurch geringere Ansprüche an den Ofen. Unseren Ofen entwickeln wir übrigens gemeinsam mit einem Dienstleister, aber wir nutzen hier unsere eigene Technologie.

"Damit können Prototypen über Nacht zu einem Teil der Kosten der traditionellen CNC-Fertigung hergestellt werden."

Wer sind die möglichen Kunden?

MOOSBERG: Vor allem die Automobil-Industrie – durch die Elektrifizierung der Modelle ist man hier in einer entscheidenden Entwicklungsphase. Hier gibt es einen großen Bedarf nach einer größeren Entwicklungsgeschwindigkeit. Wir bieten ein kostengünstiges Werkzeug, das es so noch nicht gibt, und das direkt bei den Entwicklungsteams eingesetzt werden kann. Damit können Prototypen über Nacht zu einem Teil der Kosten der traditionellen CNC-Fertigung hergestellt werden.

 

 

Sie haben vor fünf Jahren den ZYYX-Drucker entwickelt und Magicfirm gegründet. Was war damals die Motivation und wie lief die Entwicklung?

MOOSBERG: Ich wollte mit meinem Unternehmen eine Reihe von Desktop-3D-Druckern entwickeln. Der Focus bei der Entwicklung lag 2013 auf der Verbesserung von Sicherheit und Zuverlässigkeit. Denn ich war damals überzeugt, dass dies die entscheidenden Eigenschaften sein werden, wenn die Technologie erwachsen wird. Daraus entstand der erste ZYYX Drucker, der 2014 auf den Markt kam, mit Aktivkohlefilter, einem Filament-Monitoring und einer automatischen Kalibrierung. Parallel dazu haben wir uns auch mit der nächsten Generation des 3D-Drucks beschäftigt. Aktuell geht es bei uns um zwei Technologien: Den besprochenen Metall-Druck und ein patentierter Farbdruck mit 1000 Farben, der sich von allen verfügbaren Lösungen unterscheidet.

 

Ihr Unternehmen beschäftigt zwölf Mitarbeiter. Wie schafft man diese ambitionierten Entwicklungen? – Und dabei haben wir noch nicht einmal über den Aufbau eines internationalen Vertriebs und vieles andere gesprochen….

MOOSBERG: Ja, wir sind in der Tat noch ein kleines Team. Ich als Erfinder habe zwar schon das Bild unseres Metall-Druckers klar im Kopf. Doch ich bin bewusst, welche große Herausforderung im Bereich R&D noch vor uns liegt, um das System im nächsten Jahr auf den Markt zu bringen. Dafür müssen wir unser Entwicklungsteam noch verstärken – und das ist mit organischem Wachstum nicht möglich.

Was waren die entscheidenden Momente in der bisherigen Entwicklung – wo lagen die Erfolgsschlüssel?

MOOSBERG: Der wichtigste Schritt für mich persönlich war das Erkennen, dass wir in einer globalisierten Gesellschaft leben und dass man nicht zweimal überlegen sollte bevor man Unternehmen und Menschen aus anderen Teilen der Welt kontaktiert. Heute arbeiten wir eng zusammen mit Menschen in Schweden, Deutschland, Großbritannien, China, den USA, Indien und aus anderen Ländern. Diese Kontakte waren und sind entscheidend für unseren Erfolg.

Erfolgsrezept: Offenheit bewahren

Was sollte denn heute ein junges Start-up Unternehmen mitbringen – einmal abgesehen von einem guten Produkt?

MOOSBERG: Man braucht ein gutes Verständnis von Social Media. Außerdem sollte man immer offen sein, um neue Menschen kennenzulernen.


Abschließend noch etwas Persönliches: Was waren Ihre beruflichen Erfahrungen vor Magicfirm und ZYYX?

MOOSBERG: Ich habe an der Chalmers Universität in Göteburg studiert und danach rund 20 Jahre in der Produktentwicklung in verschiedenen Bereichen gearbeitet – als Ingenieur, Projektmanager und als Unternehmensgründer. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dieser Zeit: Ob man nun an einem Projekt mit einem Budget von einer Milliarde Euro oder von einer Million Euro arbeitet – die Probleme und Hürden sind meistens die gleichen. Und die Lösung ist immer, es noch einmal und besser zu versuchen….

 

Mats, herzlichen Dank für das Gespräch.

 

 

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