»Pfeffer und Salz für die Bauteile«

Text und Fotos: Thomas Masuch / 17.01.2019

Im Prototyping waren die Prozesse noch verhältnismäßig einfach: »Man bekommt eine Datei und druckt sie«, erklärt Jurgen Laudus, Vice President Materialise Manufacturing. Doch wenn es um Funktionsteile aus Metall geht, sind die Herausforderungen größer. Wie das börsennotierte Unternehmen Materialise darauf reagiert, konnten wir auf der Formnext mit Jurgen Laudus besprechen.

Die Herausforderungen liegen laut Laudus vor allem bei »End-Use Parts«. Hier sei es wichtig, in den Designprozess mit einbezogen zu werden. Schließlich gehe es nicht nur darum, das Bauteil zu optimieren. Gleichzeitig müssen auch Supportstrukturen beachtet werden. Und eine wirtschaftliche Produktion erfordert auch, die Bauplatte so gut wie möglich zu füllen. Es geht also nicht nur um das Design des Bauteils, sondern um die Bauteilumgebung. Um diese Aufgaben kümmert sich bei Materialise ein Design-und-Engineering-Team. »Die streuen noch Pfeffer und Salz auf das fast fertige Bauteil«, schmunzelt Laudus. Das klare Ziel dabei: die Produktion und damit das Bauteil günstiger zu machen.

Das produktionsoptimierte Design soll dabei gemeinsam mit dem Kunden entstehen. Denn dadurch könnten sich auch deren Design-Ingenieure weiterentwickeln. »Die wissen zwar, dass es sie Designregeln brauchen«, aber diese Regeln seien nicht immer bekannt.

METALLBEREICH WÄCHST SCHNELLER

Derzeit betreut Materialise laut Laudus rund 5000 aktive Kunden. Kunststoffteile werden noch am häufigsten bestellt. Doch den Metallbereich beurteilt Laudus als sehr wichtig, und er wachse auch schneller. Dabei »können Kunststoffteile manchmal auch ein Türöffner für Metallteile sein«.

Über acht Lasermelting-Maschinen verfügt das Unternehmen dafür. Außerdem habe Materialise mit der Übernahme des deutschen Metallgussunternehmens ACTech GmbH im Jahr 2017 einen sehr guten Zugang zu wichtigen Produktionsprozessen wie Nachbearbeitung, Wärmebehandlung und Automatisierung erhalten. In den vergangenen zwölf Monaten wurde dieses Produktionswissen auch an den Standort in Bremen transferiert, wo Materialise seine additive Metallfertigung konzentriert hat.

Für Laudus hat sich mit der Erweiterung des Produktionsprozesses auch ein Wandel im Unternehmen vollzogen. »Wir sind dabei, ein Produktionsbetrieb zu werden – nicht mehr nur ein 3D-Druck-Unternehmen.«