»Viele brennen darauf, etwas zu tun«

06.11.2019 - Text: Thomas Masuch

Das permanent hohe Wachstumstempo in der Welt der Additiven Fertigung sorgt auch für einen kontinuierlichen hohen Bedarf an Fachkräften. Unternehmen können auch auf der Formnext sehr gute neue Mitarbeiter finden, auch aus dem asiatischen Raum. Die Aussteller müssten sich nur entsprechend darauf vorbereiten, rät Personalexpertin Samia Boutari.

Als junge Branche, die beste Zukunftsperspektiven mit einem hohen kreativen und innovativen Potenzial verbindet, erzeugt die Additive Fertigung ein hohes Anziehungspotenzial für Studienabsolventen und junge Fachkräfte. Im Gegensatz zu anderen industriellen Branchen bietet die Welt der Additiven Fertigung trotz aller Personalengpässe laut Samia Boutari, Senior-Beraterin der Personal- und Unternehmensberatung proJob aus Köln, auch Chancen. »Das ist eine Branche, die junge Menschen begeistert.«

Und trotzdem ist der Bedarf nach talentierten und qualifizierten Mitarbeitern weiterhin deutlich höher als das Angebot, bestätigt Boutari. Daran hat auch die stark gestiegene Zahl an Bildungs- und Weiterbildungsangeboten von Universitäten, Verbänden und weiteren Anbietern nicht viel geändert, da die Zahl der Absolventen in Deutschland und Europa bei weitem nicht ausreichend sei.

Die ausgeschriebenen Stellen zeigen, dass vor allem Branchen wie herstellende Industrie, Lebensmittel, Verbrauchsgüter oder Transport AM-Fachkräfte suchen. Die Early Adopters des industriellen 3D-Drucks aus der Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder Automobilindustrie sind für AM offenbar personell bereits besser aufgestellt. Aber auch die Hersteller von Hard- und Software suchen stark nach Ingenieuren oder Softwareexperten.

Die Formnext unterstützt deshalb mit dem Karrieretag auf der AM4U-Area sowohl Unternehmen als auch Fachkräfte und junge Bewerber. Am dritten Messetag, 21.11., können sich Besucher umfassend über den Arbeitsmarkt im Bereich Additive Manufacturing informieren und ihren potenziellen zukünftigen Arbeitgeber persönlich kennenlernen. Der Karrieretag umfasst zahlreiche Specials wie eine individuelle Karriereberatung, ein Bewerbungsfotoshooting, Beratungsgespräche mit Personalern der Aussteller sowie spezielle Vorträge auf der AM4U-Bühne.

Fantastisch ausgebildete Bewerber aus dem Ausland

Samia Boutari, die den Karrieretag auf der Formnext bereits seit drei Jahren mitbetreut, sieht vor allem durch die hohe Internationalität der Besucher ein sehr hohes Recruitingpotenzial für Unternehmen, die sich in Frankfurt der Fachwelt präsentieren. »Auf der einen Seite haben wir im Bereich AM einen großen Bedarf nach Spezialisten, und auf der anderen Seite haben wir oft fantastisch ausgebildete Bewerber aus dem Ausland – zum Beispiel aus Indien.«

Während der »Markt« für europäische Fachkräfte im AM-Bereich ziemlich leer gefegt ist, hat Boutari mit asiatischen Bewerben sehr gute Erfahrungen gemacht. »Viele sind interessiert und brennen darauf, etwas zu tun – was bei einigen einheimischen Interessenten dagegen nicht immer der Fall zu sein scheint.«

Allerdings würden die Bewerber aus entfernten Ländern und Kulturen viele Unternehmen noch vor größere Herausforderungen stellen. »Gerade im Mittelstand sind Unternehmen nicht ausreichend vorbereitet. Manchmal fehlen sogar die Basics«, so Boutari. So sei zum Beispiel intern oft nicht geklärt, welche Sprachvoraussetzungen ein Bewerber mitbringen müsse, oder man lasse eine Stelle lieber unbesetzt, weil man sprachliche oder andere Komplikationen befürchte. »Da würde ich den Unternehmen empfehlen, einfach flexibler mit der Situation umzugehen, schließlich bleiben ja auch viele Ressourcen ungenutzt oder es entstehen sogar hohe Kosten, wenn eine Stelle länger nicht besetzt wird.«

»Am Messestand vorbereitet sein«

Die Personalexpertin hatte in den vergangenen Jahren auf der Formnext bereits die Erfahrung gemacht, dass gerade aus dem asiatischen Raum zahlreiche Fachkräfte auf die Messe kommen, um sich über ein Unternehmen und Karrieremöglichkeiten zu informieren. »Da macht es Sinn, darauf vorbereitet zu sein, was leider nicht immer der Fall ist. Oft kommen Bewerber mit einem Hinweis auf die Unternehmens-Website vom Stand zurück.«

Die Besetzung des Messestandes zählt deshalb für Boutari zu den Basics des Recruitings der Aussteller. »Auf jeder Messe findet auch Personalmarketing statt: Jeder Aussteller präsentiert sich automatisch auch als potenzieller Arbeitgeber, auch wenn dieser Aspekt vielleicht nicht im Hauptfokus liegt.«

Um hierfür besser aufgestellt zu sein, sollte mindestens ein Verantwortlicher für das Thema Personal am Stand ansprechbar sein. Darüber hinaus erleichtert es Bewerbern den Erstkontakt, wenn auch junge Mitarbeiter vor Ort sind, die vor allem Studenten »auf Augenhöhe« begegnen können. Da auch gestandene Fach- und Führungskräfte in ungekündigter Stellung mitunter nach neuen Herausforderungen Ausschau halten, empfiehlt Samia Boutari, für Gespräche einen sichtgeschützten Bereich am Stand zur Verfügung zu haben.

AM4U-Area auf der Formnext 2019:

  • Halle 11.1 - Stand D29

  • Karrieretag: 21.11. 2019, 10 – 16 Uhr