„Mit der klassischen Strategie erleidet man Schiffbruch“

von Thomas Masuch

Wie und wo Zerspaner in der Additiven Fertigung umlernen müssen – die Seminarreihe Discover3Dprinting hilft beim Einstieg

Während vor einigen Jahren noch diskutiert wurde, ob der industrielle 3D-Druck eine Bedrohung für die Zerspanungsbranche ist, beschäftigen sich nun immer mehr Metallverarbeitungsbetriebe damit, wie sie die Vorteile dieser Technologie für sich nutzen können. Additive Manufacturing (industrieller 3D-Druck) etabliert sich immer stärker als zusätzliche Fertigungstechnologie in der Metallbearbeitung. Und dabei geht es schon lange nicht mehr nur um Zahnersatz oder ultraleichte Flugzeugbauteile, sondern immer öfter um Bauteile für die Automobilindustrie und den Anlagenbau.

„Doch eine Bedrohung für die klassischen Zerspaner ist die Technologie nicht und wird es auch in absehbarer Zeit nicht werden“, so Kristian Arntz, Geschäftsführer ACAM Aachen Center for Additive Manufacturing. „95 bis 99 Prozent der Metallteile werden auch in Zukunft weiterhin zerspant, weil sie sich für eine effiziente Produktion im 3D-Druck einfach nicht eignen.“ Dennoch rät Arntz jedem Metallfertigungsbetrieb, sich mit dem Thema Additive Fertigung zu beschäftigen.

Dafür veranstaltet Arntz mit seinen Kollegen vom ACAM in Kooperation mit dem Messveranstalter Mesago Messe Frankfurt die Seminarreihe Discover3Dprinting. Diese wurde im Rahmen der Formnext 2017 ins Leben gerufen und wird 2018 auf weiteren Messeveranstaltungen mit zielgruppengerecht aufbereiteten Inhalten fortgeführt. Der Abschluss der diesjährigen Seminarreihe ist dann von 13. – 16. November auf der Formnext 2018 in Frankfurt.

In den Seminaren lernen Unternehmen den Einstieg in die Additive Fertigung. Dabei möchten Arntz und seine Kollegen allerdings die Euphorie, die diese Technologie derzeit umgibt, nicht noch weiter anheizen sondern vielmehr richtig einordnen, wo und wann die Verfahren zum Einsatz kommen sollten. Neben den vielen positiven Chancen zeigen die ACAM-Mitarbeiter daher bewusst auch Beispiele, „wo der Einsatz von Additiver Fertigung keine Erfolgsgeschichte war“. Ebenfalls auf der Formnext 2018 zeigt die User Case Area der AG AM im VDMA e. V. weitere erfolgreiche Anwendungsbeispiele verschiedenster Anwendungsindustrien.

Der klassische Fehler

Als Experte für den industriellen 3D Druck möchte Arntz vor allem kleine und mittlere Fertigungsbetriebe an die Technologie heranführen und Ihnen dabei einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten öffnen. „Denn wir erleben oft die klassischen Fehler – häufig auch bei Unternehmen aus der Zerspanung“, so Arntz. Bei Investitionen würden Entscheider üblicherweise auf Messen oder anderswo nach genau der Maschine suchen, die am besten zu ihren heutigen Teilen passt. „Und mit dieser Strategie erleidet man in der Additiven Fertigung in ganz vielen Fällen Schiffbruch.“ Oft werde vergessen, dass sich Additive Fertigung erst dann lohnt, wenn man die Teile entsprechend anpasst und optimiert.

Auch wenn Lohnfertiger nicht immer einen direkten Einfluss auf die Gestaltung von Bauteilen haben, kann es sich auch in diesem Bereich lohnen, sich mit Additiver Fertigung auseinanderzusetzen. Als einer der Schritte empfiehlt Kristian Arntz eine „saubere Analyse des eigenen Bauteilspektrums“ bei der man zum Beispiel druckbare Teile aufspürt. Letztlich sollte sich jedes Unternehmen aus der Metallbearbeitung bewusst entscheiden, ob es in diese Technologie einsteigt oder sich auf die konventionellen Technologien beschränkt.“ Auch dies könne ein Weg sein, man sollte ihn laut Arntz nur unternehmerisch begründen können. „Und dafür braucht man eine gewisse Kenntnis über Additive Technologien.“

Wer sich für die Technologie entscheidet, sollte dies als langfristiges Investment sehen. Der effiziente Einsatz von Additiver Fertigung erfordert vor allem viel Know-how. Bevor man sich gerade im Metallbereich die Technologie in Form ins Haus holt, sei es oft sinnvoll, zuerst mit externen Partnern zusammenzuarbeiten. Diese findet man zum Beispiel auf der internationalen Fachmesse Formnext, auf der neben den weltweit führenden Hersteller des industriellen 3D-Drucks auch zahlreiche Dienstleister und Unternehmen aus der gesamten Prozesskette vertreten sind.

Geschäftspotential im Bereich Finishing

Ein großes Geschäftspotential für 3D-Druck-affine Lohnfertiger sieht Arntz im Bereich Finishing von 3D-gedruckten Metallteilen. „Dieser Markt wächst enorm, erfordert auch ein hohes Know-how.“ Schließlich liege es oft in der Natur der 3D-gedruckten Bauteile, dass sie unregelmäßige Geometrien aufweisen oder unter Umständen aufgrund von Verzügen vor dem Fräsen nochmals vermessen werden müssen. Entsprechend schwer seien Bauteile zum Beispiel zu spannen und zu „finishen“.

Der optimale Weg wäre, die „Endbearbeiter“ gleich von Anfang an mit am Konstruktionsprozess zu beteiligen. Da dies recht aufwändig ist, hat die innovative Branche bereits eine Vielzahl weiterer Lösungsmöglichkeiten entwickelt – vom Matrixspannsystem bis zur aus Kunststoff gedruckten Spannform. „Trotz aller Innovationen bleibt das Finishing sehr anspruchsvoll, da es hier keine universellen Lösungen gibt“, so Arntz. Das klingt nach guten Businessmöglichkeiten für innovative Tüftler…..

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