„Ganze Systeme neu entwickeln, nicht nur einzelne Bauteile“

von Thomas Masuch

FIT AG setzt auch auf neue Technologien – Gründer Carl Fruth fordert mehr Investitionen in neue Produkte

Der 3D-gedruckte Bierbrunnen, den die FIT AG gern bei öffentlichen Auftritten präsentiert, ist auch ein Symbol für die Symbiose aus Tradition und Innovationskraft des Unternehmens und seines Gründers und Geschäftsführer Carl Fruth: Seit 1995 ist Fruth als einer der wichtigen Player im Markt und damit in dieser jungen Branche schon so etwas wie ein Urgestein. Gleichzeitig ist er auch Vordenker und Visionär, und erfrischt mit seinen Gedanken und Meinungen abseits des Mainstreams.

Im Gespräch mit dem formnext magazin berichtet Carl Fruth von einem Wandel in der Branche. „Der Markt funktioniert ganz anders als noch vor drei oder vier Jahren. Viele neue Anbieter kommen dazu.“ Carl Fruth kennt sich mit den neuen additiven Fertigungsanlagen aus wie kaum ein zweiter. Aber auch ihm fällt es zum Teil schwer, sämtliche neuen Technologien zu bewerten. Falls der Unternehmer Potential erkennt, lässt er sich in der Regel Musterteile schicken und bewertet dann, ob sich daraus ein Business-Modell entwickeln lässt.

Ausgehärtet im UV-Licht

Dass Fruth neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen ist, zeigt unter anderem der noch junge Einsatz des Gel-Dispensing-Printing (GDP) auf einer Maschine von Massivit, auf der auch der Bierbrunnen entstand. Beim GDP wird aus einem Extruder ein spezielles Gel schichtweise aufgetragen und anschließend mit UV-Licht ausgehärtet. Die Schichtstärke kann dabei zwischen 0,7 mm und 2,1 mm variieren. Die Vorteile sind der Wegfall von Stützstrukturen sowie die Fertigungsmöglichkeiten im XXL-Format: Einteilig sind Bauteile einer Größe von 1,8 m x 1,5 m x 1,2 m machbar.

Außerdem nutzt die inzwischen 330 Mitarbeiter zählende FIT AG seit April 2017 als Pionier die Additive Auftragsschweißanlage GTarc 3000-3 von Gefertec, mit der sich additive Metallbauteile bis zu 3,0 Tonnen herstellen lassen. Auf dieser Anlage fanden bei FIT noch bis Ende 2017 Tests statt, seit 2018 fallen die ersten Pilotprojekte vom Bauteilträger.

"Produkte werden uns fehlen"

Mit der FIT AG ist Fruth einer der größten Dienstleister für Additiven Fertigung. Dabei habe er festgestellt, dass aktuell die Investitionen der Anwender vor allem in Hardware fließen. „Es werden viele Anlagen gekauft, und dann versucht man zu verstehen, wie sie funktionieren.“ Diese Entwicklung sieht Fruth kritisch: Aus seiner Sicht wäre es sinnvoller, noch mehr neue Produkte zu entwickeln, bei denen die Möglichkeiten der Additiven Fertigung von Anfang mit einbezogen werden. „Diese Produkte werden uns fehlen.“

Dass zu wenig in die Entwicklung investiert wird, kann Carl Fruth einfach erklären: „Für neue Technologie gibt es in den Unternehmen ein Budget, für Entwicklung nicht.“ Dabei wäre eine Investition in Entwicklung viel effizienter. „Die Ingenieure sollten sich hinsetzen und ganze Systeme neu entwickeln, nicht nur einzelne Bauteile.“