Wo der digitale AM-Zwilling zu Hause ist

Von Thomas Masuch

Siemens eröffnet Additive Manufacturing Experience Center im Gerätewerk Erlangen

Mitten im Siemens-Gerätewerk in Erlangen, wo hauptsächlich Industrieantriebe und Steuerungen für Produktionsanlagen hergestellt werden, bestimmt nun auch die Additive Fertigung den Alltag: Am 10. April 2018 wurde in einem feierlichen Rahmen das neue Additive Manufacturing Experience Center eröffnet. Siemens präsentiert in dem neuen Center unter anderem sein umfangreiches digitales Lösungsangebot für den industriellen 3D-Druck. Daneben sind hier zahlreiche User-Cases und neueste Fertigungstechnologien wie der roboter-gestützten 3D-Druck, das sogenannte „Multi-Axis FDM“, zu sehen.

Mit dem Additive Manufacturing Experience Center will Siemens den industriellen 3D-Druck für Kunden erlebbar machen. „Wir wollen Maschinenbauern und -betreibern zeigen, was Digitalisierung für die additive Fertigung bedeutet“, betonte Dr. Wolfgang Heuring, CEO der Business Unit Motion Control (MC) in der Siemens-Division Digital Factory, im Rahmen des Openings.

Einer der am häufigsten verwendeten Begriffe war bei der Eröffnung deshalb auch der „digitale Zwilling“ – Siemens stellt für sämtliche Produktionsschritte der Additiven Fertigung die digitale Umgebung zur Verfügung und ist damit laut Dr. Heuring das einzige Unternehmen weltweit, das in der Digitalisierung einen „holistischen Ansatz anbietet“. Im Rahmen seines übergeordneten Konzeptes „Digital Enterprise” liefert der Konzern ein durchgängiges Portfolio für das digitale Unternehmen.

Die Digital Enterprise Suite besteht aus software-basierten Systemen und Automatisierungskomponenten, die alle Anforderungen der industriellen Wertschöpfungskette abdecken – beim Maschinenbauer vom Maschinenkonzept und -engineering bis hin zu Inbetriebnahme und Service und beim Maschinenbetreiber von der Produktentwicklung und Produktionsplanung bis hin zur eigentlichen Produktion und zum digitalen Service.

Dass das Center rund um den industriellen 3D-Druck gerade in Erlangen angesiedelt wurde, ist kein Zufall. Der Standort setzt bereits Additive Fertigung, digitale Planungsmethoden und Leichtbauroboter ein und gilt als Vorreiter im Bereich Industrie 4.0. Bereits 2004 und 2013 wurde das Siemens-Gerätewerk als „Beste Fabrik Europas“ ausgezeichnet.

Für die Prototypenfertigung verfügt das Additive Manufacturing Experience Center über eine Lasertec 65 3D hybrid von DMG Mori sowie über die zusammen mit Hage Sondermaschinenbau entwickelte „Multi-Axis FDM“-Anlage. Weitere Anlagen sollen folgen und so auch zusätzliche AM-Technologien vor Ort verfügbar machen.

Daneben präsentierte Siemens auch sein AM-Network. Nutzer können auf dieser Plattform Bauteile hochladen, um zu erfahren, ob diese Teile „druckbar sind“ sowie ob das auch unter wirtschaftlichen und technischen Gesichtspunkten sinnvoll ist, so Thomas Dürr, der das Additive Manufacturing Experience Center leitet. Daraus entstehen abhängig von Stückzahl, Material und anderen Parametern Empfehlungen für die Fertigungstechnologie.