Mehr als 2.000 Teile identifiziert

Daimler Buses integriert 3D-Druck für Ersatzteilfertigung

16.01.2019 - Steigenden Kosten für Lagerung und Logistik sowie lange Lieferzeiten: Das sind Herausforderungen des Bereichs Customer Services & Parts (CSP) der EvoBus GmbH. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Omnibushersteller (> 8 t) und Tochter des Daimler Konzerns.

Das Portfolio wird immer breiter, gleichzeitig versichert EvoBus seinen Kunden, über einen Zeitraum von mehr als 15 Jahren nach Serienauslauf Ersatzteile für ihre Busse zur Verfügung zu stellen. Derzeit verwaltet der CSP-Bereich von EvoBus über 300.000 aktive Ersatzteile, von denen eine Vielzahl auf Lager gehalten werden – Tendenz steigend.

Mit konventionellen Produktionsverfahren kann EvoBus den wachsenden Herausforderungen im Bereich Customer Services & Parts schwer begegnen. In der Produktionsflexibilität der additiven Fertigung sieht sie hingegen großes Potenzial: »Durch die Implementierung des 3D-Drucks in unser CSP-Geschäftsmodell erhoffen wir uns, die steigenden Lager- und Werkzeugkosten zu reduzieren«, so Ralf Anderhofstadt, Projektleiter CSP 3D-Druck.

Gesamte Lieferkette beleuchtet

Bei der Implementierung der additiven Fertigung in ihr CSP-Geschäftsmodell setzt EvoBus auf die Expertise von Additive Minds, der Beratungssparte von EOS. Die Unterstützung erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen: Im Rahmen von Workshops und mittels Off-Site-Support wurde die gesamte Lieferkette beleuchtet und ermittelt, wie EvoBus das Potenzial des industriellen 3D-Drucks bestmöglich nutzen kann.

Dabei ging es um die systematische Auswahl geeigneter Bauteile für die additive Fertigung. Mithilfe der von Additive Minds entwickelten Methodik »Part Screening and Selection«, die bereits in über 50 Kundenprojekten in verschiedenen Industrien zum Einsatz kam, identifizierte EvoBus mehr als 2.000 Teile. Von diesen sollen zunächst einige Metall- und Polymer-Bauteile umgesetzt werden. Da für viele Ersatzteile keine digitalen Baupläne vorliegen, beleuchteten Additive Minds und EvoBus gemeinsam die Möglichkeiten zur Digitalisierung mittels Reverse Engineering und analysierten potenzielle Dienstleister.

Nächstes Ziel: 3D-gedrukte Teile für Endkunden

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden im Juni 2017 die ersten Bauteile bei EOS eingehend beleuchtet und gefertigt. Ein wichtiger Meilenstein ist damit erreicht – und das schneller als erwartet: »Durch die Zusammenarbeit mit Additive Minds im Projekt CSP 3D-Druck konnten wir unser Projekt bis zum technischen und wirtschaftlichen Proof of Concept erheblich beschleunigen«, resümiert Anderhofstadt.

Das nächste Projektziel ist der Einsatz additiv gefertigter Bauteile beim Endkunden. Ausgehend von einer zunächst zentralisierten Produktion wird auch explizit der zukünftige Einsatz der Drucker direkt bei den Außenorganisationen geprüft.