Auf die Spitze gedruckt

Text: Frank Rößler / Bilder: Audio Physic — 05.04.2019

3D-Druck eliminiert Vibrationen am Ort ihrer Entstehung – in einem High-End-Lautsprecher

Audio Physic aus dem Sauerländischen Brilon hat sich seit über 30 Jahren dem Bau von Lautsprechern verschrieben, die allerhöchsten Ansprüchen genügen und in denen alles auf puren, unverfälschten Klang ausge-richtet ist. Bis hin zu den Materialien wird alles auf die Spitze getrieben.

Der Mitteltöner HHCM-III im High-End-Lautsprecher Structure von Audio Physic basiert auf zwei ineinander verschachtelten Körben. Diese sollen die Schwingungen der Membran vom Gehäuse entkoppeln. Um diese Entkoppelung zu verbessern, setzt Entwickler Manfred Diestertich auf additive Fertigung.

Die Konstruktion des Mitteltöners entstand im Rahmen eines Forschungsprojekts, das ermitteln sollte, was man mit 3D-Druck im Lautsprecherbau erreichen kann. Der Doppelkorb besteht aus Polyamid mit verschiedenen Füllmaterialien (Glashohlkugeln, Aluminumzusätze). Die gedruckte Struktur sollte einem Schaum ähnliche Eigenschaften aufweisen, um Schwingungen schon im Material optimal zu dämpfen. Der verschachtelte Aufbau ließ sich laut Diestertich nicht mit herkömmlichen Fertigungsverfahren für Lautsprecherkörbe (Gießen, Fräsen, Stanzen) nachbilden.

Konstruktion und Produktion

Diestertich hatte die, Idee Vibrationen auf einem neuen Weg innerhalb der filigranen Korbstruktur zu bekämp-fen. Die ersten digitalen Entwürfe wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Dienstleister für Additive Ferti-gung in realisierbare Druckdateien umgesetzt. In mehreren Schritten näherte man sich einem realisierbaren Produkt an.

Die Kosten der additiv gefertigten Bauteile sind im Vergleich zu konventionell hergestellten Chassiskörben wesentlich höher: Die Körbe kosten pro Chassis etwa 700 Euro – ein konventionell gefertigter Korb liegt je nach gefertigten Stückzahlen auch bei hochwertigeren Lautsprechern im unteren zweistelligen Bereich. Angesichts eines Paarpreises der Structure, der abhängig von den Gehäusematerialien bis zu 50.000 Euro betragen kann, und der aufwändigen Konstruktion auch des Gehäuses fallen die höheren Fertigungskosten durch den 3D-Druck laut Diestertich aber nicht weiter ins Gewicht.

Klangliches Ergebnis rechtfertigt höheren Aufwand

Das Resümee von Manfred Diestertich über den Einsatz von 3D-Fertigungstechnologien ist überaus positiv: Der Aufwand bei Konstruktion und Umsetzung war zwar wesentlich höher als bei einem konventionellen Konstruktionsansatz, aber das klangliche Ergebnis und die Qualität des fertigen Produkts rechtfertigen ihn ohne weiteres. Erste Reaktionen auf den Lautsprecher und seinen Klang seien sehr positiv, auch der Eigenklang des Gehäuses und seiner Vibrationen konnten laut Diestertich möglichst ausgeschlossen werden.

Die anspruchsvolle Klientel der High-End-Audiofans sei am neuen Produktionsansatz sehr interessiert. Derzeit habe Audio Physic mit 3D-gedruckten Komponenten in der Szene auch ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sich die Sauerländer von der Konkurrenz abheben können. Diestertich plant schon heute, die Additive Fertigung auch in künftigen Projekten einzusetzen, eventuell auch in noch größerem Umfang.