Das Ende des »meditativen Pulens«

Text: Frank Rößler / Fotos: Pulvermeister — 27.05.2019

Das junge Unternehmen Pulvermeister hat eine Maschine zur Automatisierung der Nachbearbeitung entwickelt und konnte auf der Start-up Area der Formnext zahlreiche Entscheider dafür begeistern. 2019 ist Pulvermeister in Frankfurt wieder dabei.

Alles fing für Pulvermeister mit einer Idee für Elektrofahrräder an. Die elektrische Unterstützung muss bei 25 km/h abbrechen, da sie sonst als zulassungs- und versicherungspflichtige Kraftfahrzeuge gelten – im Straßenverkehr sinnvoll, bei Mountainbikes im Gelände kontraproduktiv. Luigi Monaco entwickelte für seine Firma Badass eBikes mit einem Partner die BadassBox, die dafür sorgt, dass der Elektromotor auch bei höheren Geschwindigkeiten anschiebt.

In Sachen Fertigungskonstanz, Flexibilität, Variantenanzahl und Reaktionsgeschwindigkeit für inzwischen elf verschiedene Gehäuse der Badass eBikes ist der 3D-Druck dem Spritzguss in den Augen von Monaco haushoch überlegen. Deshalb arbeitet Badass aus Hösbach bei Aschaffenburg mit der Schreck GmbH & Co. KG zusammen, die unter anderem über eine Formiga EOS P110 verfügt. Die Maschine ist inzwischen zu 92 Prozent ausgelastet und produziert monatlich 2.000 Gehäuseteile.

Einen Produktionsdurchlauf erledigt die Formiga innerhalb einer Dreiviertelstunde – die Nachbearbeitung einer Produktionscharge dauert von Hand mindestens viermal so lang. Acht Monate lang betrieb Monaco die Nachbearbeitung der einzelnen Bauteile selbst – er nennt es heute fast liebevoll »meditatives Pulen«: Bauteile aus dem Pulverkuchen entnehmen, stark haftendes Pulver mit dem Schraubenzieher aus allen Ecken entfernen und Oberflächen bearbeiten. Diese Arbeit möchte er niemandem zumuten: monoton, dreckig, anstrengend – und nicht nur in seinen Augen gesundheitsgefährdend, denn der Staub ist mit Partikelgrößen von 42 µm so klein, dass er überall hindurchgeht.

Erfolglose Suche macht erfinderisch

Die Suche nach einer passenden Maschine für die Automatisierung der Nachbearbeitung verlief erfolglos. Also beschloss Monaco, in Zusammenarbeit mit der Schreck GmbH & Co. KG eine entsprechende Maschine zu entwickeln und gründete dafür im benachbarten Goldbach die Pulvermeister GmbH. Mechanismus, Abdichtung der Arbeitsräume gegen den 42-µ-Staub, Wiederverwendung überschüssigen Materials, Luftstromverhältnisse, Temperaturen und mehr wurden erdacht und optimiert, bis im Juli 2018 der Typ1 vorzeigbar war.

Pulvermeister ist nicht nur der Namen des Unternehmens, sondern auch der neuen Maschine. Sie besteht aus einem Gestell, in dem zwei drehbar gelagerte Trommeln hängen. Die obere entpulvert die Bauteile komplett, und in einem Luftstrom wird das Pulver aus der Trommel entfernt und zur Wiederverwertung gelagert. Danach verbinden sich die beiden Trommeln, und die Bauteile wechseln in die untere Trommel, in der ihre Oberflächen mit Glasperlen gestrahlt werden.

Viele Entscheider

Auf der der Start-up Area der Formnext 2018 präsentierte Luigi Monaco mit der Pulvermeister GmbH den »Typ1«. Ziel dabei war es »als erstes Unternehmen diese neue Maschinengattung zu präsentieren und sie mit unserem Markennamen zu verbinden.« Für Monaco hat sich der Auftritt inmitten der jungen und innovativen Unternehmen gelohnt: »Nach unserer Erfahrung wurde der Start-up-Bereich von vielen Entscheidern direkt angegangen. Wir werden auch 2019 wieder auf der Formnext ausstellen.«

Derzeit laufen Patentanträge, und der Typ2 ist schon in der Entwicklung, in den die Erfahrungen mit dem Typ1, die im Zuge der Produktion für Badass eBikes gesammelt werden, laufend einfließen. Im Vergleich zum Typ1, der in einer Stunde bis zu 55 Kilo Pulverkuchen verarbeiten kann, soll der Neue die drei- bis vierfache Menge bedienen können, um auch größere Produktionen auslieferungsfertig zu machen. Außerdem soll er über ein Adaptersystem Wechselrahmen für Bauraumoberflächen von 350x420 mm ermöglichen. Alle Betriebsparameter können dann via SPS gespeichert und geladen werden. Luigi Monaco schwebt vor, dass mit einem Pulvermeister Typ2 der Dreischicht-Betrieb von bis zu 20 Formiga EOS P110 erleichtert werden kann. Erste Auslieferungen sollen im zweiten Quartal 2019 erfolgen.