Kunststoffpulver als bewährtes Ausbildungstool

Text: Michal Krzak – Fotos: Sinterit / 22.07.2019

Die Additive Fertigung hat viele Branchen unwiderruflich verändert. Da sich die Technologie ständig weiterentwickelt, ist der Bedarf an Ingenieuren mit AM-Kenntnissen hoch. Workshops spielen eine wichtige Rolle für die Weiterbildung. Hier kann die SLS-Technologie sehr hilfreich sein.

Additive Fertigung hält in immer mehr Unternehmen Einzug. Das hat auch Folgen für die Ingenieurswelt: Der Bedarf an ausgebildeten Ingenieuren, die für das Rapid Prototyping konstruieren und 3D-Drucker bedienen können, ist enorm. »Während derzeit 18% der produzierenden Unternehmen 3D-Druck nutzen, wird erwartet, dass sich diese Zahl in den nächsten fünf Jahren auf 33 Prozent erhöhen wird«, heißt es im PwC-Bericht »Beyond Prototyping: Anwendungen für den 3D-Druck beschleunigen«. Das bedeutet: viel Lernen für viele Techniker.

Ingenieur der Zukunft

Die AM-Ausbildung an den Universitäten wird immer professioneller: Studenten besuchen Kurse über Additive Fertigung und verfügen und Labore mit neuester Technologie. Für Ingenieure dagegen, die schon seit Jahren im Beruf sind, ist es dagegen nicht so einfach, sich entsprechendes Wissen über die neuen Technologien anzueignen. Wann und wo sollen sie Neues lernen? Erweiterte 3D-Druck-Workshops könnten die Lösung bringen.

Letztendlich wird ein Ingenieur, der über Kenntnisse im 3D-Druck verfügt, einen besser bezahlten Job bekommen. Laut PayScale.com können AM-qualifizierte Ingenieure etwa 58.000 Dollar pro Jahr erhalten. Die am besten bezahlten sind Maschinenbauingenieure (65.000 USD), Fertigungsingenieure (71.000 USD) und Anwendungsingenieure (62.000 USD). 

In Deutschland, dem größten 3D-Druck-Markt in Europa, hat Benjamin Henkel, der Inhaber von SLS 3D, die Antwort: Als Ingenieur verkaufte er jahrelang 3D-Drucker an Fachleute, heute bietet er hauptsächlich Workshops und Beratungsdienstleistung an. »Die Leute kamen in unseren Showroom in Hannover, um 3D-Drucker live zu sehen«, erinnert sich Benjamin Henkel. »Nach der Anschaffung eines Druckers wollten sie auch wissen, wie man das Gerät am professionellsten bedient.«

Unterschiedliche Hintergründe und Fähigkeiten

Ingenieure, die an Henkels Workshops teilnehmen, haben unterschiedliche Hintergründe und Fähigkeiten. Für manche ist dies das erste Mal, dass sie am Rapid Prototyping-Prozess beteiligt sind. Wie im »The 3D Printing Handbook« von 3D Hubs erwähnt, ist »SLS bestens geeignet, um starke Funktionsteile mit komplexen Geometrien herzustellen«¹. Deshalb benötigen Unternehmen aus der Automobil- oder anderen Hightech-Branchen, die viele Prototypen herstellen, Ingenieure mit SLS-Kenntnissen. Besonders nach dem Ablauf des SLS-Patents im Jahr 2014 und dem Eintritt weiterer 3D-Druckerhersteller in den Markt mit preiswerten Maschinen, ist der Bedarf gestiegen.

»Viele meiner Kunden haben einen SLS 3D-Desktopdrucker erworben, weil sie statt 200.000 Euro jetzt 7.000 oder 12.000 Euro für ein Gerät bezahlen, das manchmal noch genauer ist und ihren Bedürfnissen viel besser entspricht«, ergänzt Benjamin Henkel. »Für meine Workshops verwende ich Sinterits Lisa und Lisa Pro. Beide Lisas machen es einfach, den Vorteil dieser Technologie bei komplexen Anwendungen zu zeigen.«

Trainieren oder nicht trainieren?

Auch wenn Desktop-SLS-3D-Drucker, insbesondere im Vergleich zu den großen industriellen 3D-Druckern, einfacher zu bedienen sind, ist eine professionelle Weiterbildung trotzdem eine gute Idee. Diese Drucker benötigen zwar nicht viel Pulver für den Start. Dennoch spart man Geld wenn man jeder unnötige Fehler vermeidet.

Obwohl Benjamin Henkel seit einigen Jahren mit den Lisas arbeitet, sind die Desktop SLS-Geräte für viele Kunden immer noch eine Neuheit. »Manchmal, wenn wir große Unternehmen oder Universitäten besuchen, stellen wir fest, dass sie einen Drucker vor langer Zeit gekauft haben, ihn aber noch nicht nutzen«, so Henkel »Denn für Sicherheitsabteilungen ist es eine so neue und unbekannte Technologie, dass sie Angst haben, die Entscheidung zu treffen, sie in Betrieb zu nehmen. Deshalb brauchen sie jemanden, der ihnen zeigt, wie einfach und sicher es ist, das Pulver zu verwenden und zu verarbeiten.«